Autor: Alexandra Sevelius, Head of Marketing and Communications, RELEX Solutions

Seit Jahrzehnten müssen sich Lebensmittelhändler mit ständigem Wandel auseinandersetzen. Eine Pause hätten sie sich also redlich verdient. Die Realität sieht jedoch anders aus, denn die Veränderungen und Herausforderungen werden in naher Zukunft nicht weniger. Im Gegenteil: Der Wettbewerb wird immer härter.

Zu Beginn des letzten Jahres informierten wir Sie über die größten Trends im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) 2018. Neben dem andauernden Preiskrieg und dem Erstarken des Online-Handels spielt unter anderem auch das Management von Frischwaren eine immer größere Rolle. Diese Themen behalten ihre Relevanz und formen auch 2019 die Handelswelt.

Für das Jahr 2019 haben wir erneut die größten Trends im Lebensmittelhandel für Sie zusammengefasst:

E-Commerce wächst weiter

Ein Top-Thema bleibt das kontinuierliche Wachstum des E-Commerce. Die andauernde Verschiebung hin zum Online-Handel beeinflusst außerdem die meisten anderen Trends in der Branche.

Konsumenten haben sich mittlerweile an schnelle Lieferungen frei Haus und „Click-and-Collect-Optionen“ gewöhnt.

Das Problem ist nicht, dass viele Einzelhändler diesen Erwartungen noch nicht gerecht werden – vielen gelingt es dabei nicht, profitabel zu wirtschaften. Das „Forbes“-Magazin schrieb 2017, dass beispielsweise Amazon, das zu dieser Zeit 45 Prozent des gesamten E-Commerce in den USA für sich verbuchte, Verluste von mehreren Milliarden anhäufte. Und auch nach zwanzig Jahren im Geschäft operiert der Konzern weiterhin unterhalb der branchenüblichen Margen. Einzelhändler nehmen die Kosten von freiem Versand, Promotions und hoher Kundenakquise häufig in Kauf: So hoffen sie, einen längeren Atem als ihre Mitbewerber zu beweisen und dadurch Marktanteile behalten zu können. Auf lange Sicht ist diese Strategie nicht aufrechtzuerhalten und hemmt die Effizienz der Betriebsabläufe.

Teil des Problems ist es, dass die Kommissionierung und die sogenannten Kosten der „letzten Meile“ die Gewinne oft stark schmälern. Positiv ist jedoch, dass immer mehr Händler automatische Optionen für Kommissionierung und Fulfillment ins Auge fassen. Das US-amerikanische Einzelhandelsunternehmen Meijer bietet seit Kurzem eine neue Abhol-Option von der Filiale zum Kunden nach Hause an. Der britische Online-Lebensmittelhändler Ocado plant dagegen, mit Hilfe seines US-Partners Kroger, vollautomatisierte Warenlager in den USA zu bauen.

Frische, Convenience und Fertiggerichte

Convenience-Food, Essen zum Mitnehmen, Fertiggerichte und Kochboxen im Stil von HelloFresh sind neben dem Online-Lebensmitteleinkauf wachsende Trends: Sie sorgen dafür, dass Lebensmitteleinzelhändler sowohl untereinander als auch mit der Gastronomie konkurrieren. Die Händler kämpfen darum, ihr Fulfillment zu optimieren und flexible Lieferoptionen anzubieten.

Eine Herausforderung besteht darin, dass der Lebensmitteleinzelhandel nicht in gleichem Maße für den Lieferservice geeignet ist wie die Gastronomie. Es kommen erhebliche zusätzliche Kosten für die Kommissionierung und den Transport hinzu, während der Absatz in der Gastronomie von Möglichkeiten wie Lieferando profitiert. Lebensmittelhändler haben bisher jedoch kein passendes Pendant gefunden.

Während der LEH immer mehr „Eat-in“-Möglichkeiten wie integrierte Essbereiche und Cafés anbietet, gibt es Herausforderungen bei der Nachfrageprognose. Glücklicherweise sind in diesem Bereich Fortschritte zu verzeichnen: beispielsweise, indem das Rezept oder die Stückliste jedes Endprodukts und jeder Zutat berücksichtigt werden.

Weitere Veränderungen der Einkaufsgewohnheiten zeigen sich am Aufkommen neuer Laden-Formate: So scheinen auswärts gelegene Hypermärkte nach und nach Convenience-Shops zu weichen, die bequem in der Nachbarschaft gelegen sind. Lidls Vorstoß auf dem US-Markt war zunächst auf großformatige Filialen ausgelegt – dieses Konzept überdenkt der Discounter nun und prüft kleinere Formate. In Großbritannien hat Tesco eine neue Discounter-Kette eröffnet, um Shopper von Aldi und Lidl zurückzugewinnen.

Nachhaltigkeit und Bio-Sortiment

Das Interesse an Nachhaltigkeit und dem Einfluss des Verbraucherverhaltens auf die Umwelt war bereits 2018 ein großer Trend – 2019 wird dieser noch zunehmen. Dies wird große Veränderungen mit sich bringen, da die Konsumenten beim Einkauf immer mehr Wert auf ethische, nachhaltige und ökologische Produkte legen.

Am deutlichsten ist dieser Trend in Europa zu beobachten, insbesondere in Großbritannien, wo Supermärkte darauf reagieren. In Deutschland erhielt die Unternehmensgruppe Bünting für die starke Reduktion des CO²-Fußabdrucks ihrer regionalen Supermärkte viel Aufmerksamkeit und Zustimmung von den Kunden. Dies verdankt das Unternehmen einer radikalen Optimierung seiner Lieferfahrten. Ähnliche Veränderungen sind in den kommenden Jahren in Nordamerika zu erwarten, wo Supermärkte ökologischere Alternativen anbieten und nachhaltigere Supply-Chains entwickeln.

Auch die Generation der Millennials beeinflusst als Verbraucher zunehmend die Art und Weise, wie wir essen. Sie entscheidet sich für gesündere Alternativen, die ihre Sorge um Nachhaltigkeit und Umwelt widerspiegeln – das beinhaltet auch den Kauf von Bio-Produkten. Bisherige Erfahrungen haben jedoch gezeigt, dass der Absatz von Bio-Erzeugnissen sehr sensibel auf das ökonomische Klima reagiert. Wenn die amerikanischen Handelsbeziehungen oder der Brexit sich negativ auf die Wirtschaft auswirken, könnten Konsumenten den Preis über ihre Prinzipien stellen. Kommt es jedoch nicht zu einem Konjunkturabschwung, ist davon auszugehen, dass der Biotrend weiter zunimmt.

Besonders bei frischen Premiumprodukten wie Bio-Fleisch, -Milchprodukten und -Gemüse sind Händler gut beraten, Verderb zu minimieren. Dies gelingt durch präzise Prognosen: Denn wenn nur ein Produkt verdirbt, kann das die Gewinne in vielen Bereichen gefährden.

Personalplanung und die Suche nach guten Mitarbeitern

Zu guter Letzt ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt momentan besonders angespannt. Die Arbeitslosenquote in den USA ist auf den niedrigsten Stand seit 48 Jahren gesunken. Unternehmen, besonders in der Einzelhandels- und Gastgewerbebranche, die sowohl Saisonarbeiter als auch fest angestellte Mitarbeiter anziehen und halten möchten, bieten höhere Gehälter und Zusatzleistungen. Im Kampf um neue Talente versuchen sie sogar, ihre Wunsch-Kandidaten mit Einstellungsboni zu locken.

Lebensmittelhändler verlassen sich jedoch nicht nur auf solche Anreize, um sicherzustellen, dass sie über genügend Arbeitskräfte verfügen. Wir prognostizieren, dass Einzelhändler 2019 den Bedarf an Arbeitskräften besser planen, als sie das zuvor getan haben. Supply-Chain-Prognosen werden bereits dazu genutzt, Kapazitäten zu planen und Engpässe in der Supply-Chain vorherzusehen. Führende Händler nutzen diese Planungsdaten in ihrer gesamten Organisation. So unterstützen sie nicht nur die Bestandsplanung, sondern auch die Kapazitäts- und Workforce-Optimierung in den Verteilzentren und Filialen. Außerdem helfen sie ihren Lieferanten bei deren Vorbereitung, indem sie ihre Planungsdaten im Zuge eines zunehmend kollaborativen Ansatzes mit ihnen teilen.

Kurz gesagt: Das Jahr 2019 wird unweigerlich ein schwieriges sowohl für den klassischen Einzelhandel als auch den Onlinehandel. Dennoch bietet die Handelsplanung viele Lösungen, mit denen Händler diese Herausforderungen erfolgreich meistern können.

Ihr Kontakt vor Ort

Ramona Saager

Ramona Saager

Sales Manager, DACH

Phone+49 173 64 11 874

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