Autor: Kasper Kiil, Project Manager, RELEX Solutions

Die Optimierung der Supply-Chain ist eine nie endende Aufgabe. Sie lässt sich verbessern, bis sie nahezu perfekt funktioniert – doch dann ändern sich die Umstände. Auch tadellos in Stand gehaltene Prozesse bleiben nicht perfekt synchronisiert und führen zur Beeinträchtigung Ihrer Ergebnisse. Ein Supply-Chain-Experte akzeptiert deshalb schnell, dass die Feinjustierung von Prozessen nie abgeschlossen ist.

Es gibt einige Bereiche, in denen mit geringem Aufwand ein großer Effekt erzielt wird. Insbesondere im Lebensmitteleinzelhandel, treiben Produkte mit kurzer Haltbarkeit und drohendem Verderb das finanzielle Risiko in die Höhe.

Die Qualität Ihrer Stammdaten ist meist der entscheidende Faktor. Ihre Supply-Chain ist nur so gut, wie die Daten, die Sie einspeisen – das Bereinigen und Ordnen der Stammdaten schafft somit die Grundlage für künftige Erfolge. Danach liegt es an Ihnen und der Technologie, Ihren Zauber zu wirken.

Weisen Sie als Lebensmitteleinzelhändler die Bestände korrekt zu, wählen Sie die richtigen Losgrößen aus und stellen Sie die optimalen Sicherheitsbestände ein. So verhindern Sie unnötigen Verderb, erhöhen die Verfügbarkeit und können Ihre Kunden besser bedienen.

In den drei folgenden Bereichen macht sich zusätzliche Aufmerksamkeit wirklich bezahlt.

Allokationen

Liegen die durchschnittlichen Zahlen für Ihr Warenlager oder Distributionszentrum im angestrebten Bereich, die Filialen geben Ihnen jedoch die Rückmeldung, dass zu viel oder zu wenig Ware oder diese zu spät ankommt, werfen Sie einen Blick auf die Allokationen.

  • Schauen wir uns den Verderb an. Lagert im Distributionszentrum Ware mit kurzer Haltbarkeit, erhöht sich die Chance, diese rechtzeitig innerhalb des Mindesthaltbarkeitsdatums abzusetzen, wenn sie Filialen mit hohem Bestandsumschlag zugeteilt wird. Umgekehrt sollte Filialen mit niedrigem Bestandsumschlag die Ware mit der längsten verbleibenden Haltbarkeit zugeteilt werden. Das erhöht die Chance, dass diese rechtzeitig vor Verderb verkauft wird.
  • Auch Kampagnen profitieren von mehr Fokus und etwas Feinabstimmung. Hier sollten Faktoren wie die verfügbare Regalfläche jeder Filiale, vorhandene Filialbestände und historische Abverkaufsdaten miteinbezogen werden. So kann für jede Filiale die entsprechende Aktionswarenmenge akkurat prognostiziert werden. Präzise Prognosen erleichtern das Zuteilen der korrekten Mengen. Das minimiert sowohl das Risiko entgangener Umsätze als auch nicht verkaufter Ware am Ende der Kampagne.
  • Übersteigt die Nachfrage in den Filialen den verfügbaren Warenbestand im Distributionszentrum, helfen Filialbestandsdaten und Absatzprognosen: Sie lassen sich nutzen, um Ware gemäß dem Bedarf der einzelnen Filialen automatisch umzuverteilen. So sinken die Bestände gleichmäßig in der gesamten Kette, ohne dass an einigen Stellen Out-of-Stocks, an anderen Überbestände auftreten.

Losgrößen

Die Wahl der richtigen Losgrößen reduziert Ausgaben in den drei für Einzelhändler kostenintensivsten Bereichen – Fläche, Personal und Bestand. Nachfrage, Allokation, Fläche und Personal beeinflussen einander – gemeinsam behandelt, ist die Wirkung viel größer, als wenn jeder Bereich einzeln adressiert wird. Diesen ganzheitlichen Ansatz nennen wir integrierte Handelsplanung.

Die richtige Losgröße zu finden, ist nicht ganz einfach – große Losgrößen beanspruchen mehr Regalfläche und erhöhen die Bestände im Filiallager sowie den durchschnittlichen Warenbestand. Zugleich reduzieren sie jedoch den Auffüllbedarf der Filialregale sowie die Transportkosten. Ist die Balance zwischen Losgröße und Kosten gefunden, wirkt sich das deutlich auf den Nettogewinn aus.

Hier einige nützliche Hinweise für den Anfang:

  • Passen Sie Ihre Losgrößen auf die Regalfläche an. Idealerweise füllt eine komplette Losgröße (plus Sicherheitsbestand) die verfügbare Regalfläche aus. Passt die gesamte Charge ins Regal, muss später weniger nachgefüllt werden. Ist die Charge zu groß, gehen Sie nicht den vermeintlich einfachen Weg und erhöhen die Regalfläche, um alles unterzubringen. Fragen Sie stattdessen den Lieferanten, ob kleinere Losgrößen verfügbar sind und wählen Sie dann diejenige aus, die am besten auf die vorhandene Fläche passt.
  • Auch der Vergleich der Losgröße mit der geringsten angeforderten Bestellgröße ist wichtig: Bestellen die Filialen mehrere Chargen, sind diese wahrscheinlich zu klein, was die Kosten für Kommissionierung und Bearbeitung in die Höhe treibt. Je näher Sie sich der Formel „eine Lieferung = eine Charge = Gesamtbedarf für den Zeitraum zwischen den Lieferungen“ annähern, desto besser.
  • Geht es um Frischeprodukte, sind Losgrößen der kritische Punkt. Beträgt beispielsweise die minimale Losgröße für Avocados 15 kg, Sie wissen jedoch, dass Sie nur 10 kg verkaufen können, bevor diese verderben, haben Sie ein Problem. Versuchen Sie, die durchschnittliche tägliche Nachfrage mit der Losgröße und der Haltbarkeit zu vergleichen – die komplette Charge sollte sich verkaufen lassen, bevor die Ware schlecht wird.
  • In einigen Fällen ist es vorteilhaft, mehrere Losgrößen zu verwenden. Beim Blick auf vergangene Bestellmengen jeder Filiale fallen Ihnen vielleicht ausgeprägte Spitzen auf. So bestellen etwa manche Filialen regelmäßig 2.000 Einheiten, andere nur 100 und die restlichen Filialen liegen dazwischen. Das würde darauf hindeuten, dass Sie sowohl eine kleine Losgröße benötigen (mit etwa 100 Einheiten) als auch eine größere (um die 2.000 Einheiten). Dadurch, dass Sie in diesem Fall mehrere Chargengrößen verwenden, reduzieren Sie die Kosten bei der Abfertigung und schaffen eventuell sogar Ersatz für Produkte, die im Warenlager Out-of-Stock sind. In den meisten Fällen wird dies jedoch auch den Warenbestand erhöhen, da beide Losgrößen auch Sicherheitsbestände benötigen.

Sicherheitsbestände und Sicherheitslieferzeiten

Die Sicherheitseinstellungen sind dazu da, um entgangene Umsätze zu vermeiden. Sind sie zu niedrig, entgehen Ihnen vielleicht Verkäufe aufgrund leerer Regale. Sind sie jedoch zu hoch, kommt es zu Überbeständen, schlechtem Bestandsumschlag und das Risiko des Verderbs frischer Waren steigt.

Sowohl Sicherheitsbestände als auch Sicherheitslieferzeiten sollten den bestehenden Grad an Ungewissheit so exakt wie möglich wiedergeben. (Das gilt auch für die Wichtigkeit des Produkts – wird es jemanden kümmern, wenn Ihnen das Produkt ausgeht? Werden Kunden das Produkt bereitwillig oder nur zögerlich durch ein anderes ersetzen?). Deshalb hier einige Tipps, um Sicherheitsbestand und Sicherheitslieferzeiten korrekt zu bemessen:

  • Seien Sie genau, aktualisieren Sie regelmäßig. Sicherheitsbestände sollten mögliche Abweichungen von den Durchschnittsverkäufen wiedergeben. Ebenso müssen Sicherheitslieferzeiten möglicherweise verspätet eingehenden Lieferungen Rechnung tragen. Dies sind jedoch keineswegs Konstanten: So wie Verkaufsspitzen sich im Dezember gegebenenfalls stark von denen im Januar unterscheiden, sind auch Lieferzeiten etwa bei starkem Schneefall schlechter vorhersehbar als im Sommer. Aktualisieren Sie Ihre Parameter wöchentlich (und unter Berücksichtigung besonderer Vorkommnisse wie Wetteranomalien oder Sportveranstaltungen vor Ort) und auf der detailliertesten Ebene (also auf Filial-/SKU-Ebene). Das ermöglicht Ihnen die Feinabstimmung von Warenbeständen, um Out-of-Stocks und Überbestände zu vermeiden. Klingt nach einer Menge Arbeit? Denken Sie daran, dass Automatisierung Ihnen hier hilft und Ausnahmewarnungen Unterstützung bieten.
  • Verkaufsspitzen verschieben sich nicht nur innerhalb des Jahres, sondern auch im Verlauf der Woche. Deshalb ist das Einstellen tagesspezifischer Sicherheitsbestände wichtig. Manche Produkte (wie zum Beispiel Steaks oder Wein) verkaufen sich am Wochenende besser als an anderen Wochentagen. Die Ungewissheit über die Verkaufsmenge unterscheidet sich deshalb häufig von Wochentag zu Wochentag. Um sich bei Bedarf vor größerer Ungewissheit zu schützen, kann es vorteilhaft sein, tagesspezifische (oder wochen- und wochenendspezifische) Sicherheitsbestände zu setzen. Diese können entsprechend geringer ausfallen, wenn die Nachfrage besser vorhersehbar ist.
  • Werden Sicherheitsbestände für verderbliche Waren so eingestellt, dass sie die Haltbarkeit berücksichtigen, wird auch die Auswirkung von Stock-Outs gegenüber dem Risiko von Verderb ausbalanciert (Überbestände haltbarer Produkte sind ärgerlich, Überbestände verderblicher Ware jedoch eine finanzielle Verbindlichkeit). Sie sollten die Menge jeder SKU in jeder Filiale kennen, die während des Dispositionszeitraums ihr Mindesthaltbarkeitsdatum überschreiten kann. Normale Sicherheitsbestandsberechnungen berücksichtigen dies nicht. Es empfiehlt sich auch nicht, Sicherheitsbestände zu berechnen, ohne Mindesthaltbarkeitsdaten einzuplanen. Seien Sie sich jedoch auch darüber bewusst, dass das Einstellen zu hoher Sicherheitsbestände für Frischeprodukte umgehend das Risiko des Verderbs erhöht, weil es den Gesamtbestandsumschlag reduziert. In solchen Fällen ist es nützlich, den prognostizierten Verderb auf erwartete Verfügbarkeit zu beziehen. So finden Sie den richtigen Sicherheitsbestand für diese Produkttypen.

RELEX arbeitet mit Lebensmittelhändlern in ganz Europa und Nordamerika. Wir haben viele unserer Erfolgsmethoden in einem Leitfaden für Sie zusammengestellt: Best Practices for Managing Grocery Retail Supply Chains. In diesem englischsprachigen E-Book zeigen wir wichtige Vorgehensweisen, um die Reaktionsschnelligkeit und Effizienz von LEH-Lieferketten zu verbessern.

Ihr Kontakt vor Ort

Michael Hoffmann

Michael Hoffmann

Business Development Manager

Phone+49 172 566 1092

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