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Autor: Dr. Johanna Småros
Leiterin, Skandinavien, Dr.-Ing.
johanna.smaros@relexsolutions.com

Dieser Artikel behandelt die Warenauffüllung aus der Sicht des Warenhausgeschäfts. Wir empfehlen Ihnen, vor der Lektüre dieses Artikels unseren Artikel über automatische Auffüllbestellungen zu lesen.

Durch Effizienzsteigerung und Präzisierung der Filialbestellungen kann das Ergebnis im gesamten Einzelhandel verbessert werden. Bestellpräzision sowie Größe und Inhalt der bestellten Lieferpartien wirken sich auf die Regalverfügbarkeit und damit auf den Verkauf aus. Der Bestellprozess wirkt sich auch auf Arbeits- und Lagerkosten aus. Im Warenhaushandel ist bei Verlusten oder Preissenkungen in saisonal abhängigen Produktgruppen sehr schnell ein Kostenanstieg zu verzeichnen. Es exisitiert hier oft ein größeres Effizienzsteigerungspotential als in übrigen Einzelhandelsbereichen, denn das Verkaufsumfeld ist ausgesprochen anspruchsvoll.

Der Warenhaushandel ist durch Angebotsorientiertheit und Saisonabhängigkeit geprägt

Hinsichtlich automatischer Auffüllbestellungen wird das Warenhausgeschäft oft mit dem Handel mit Waren des täglichen Bedarfs (WtB) verglichen. Das Warenhausgeschäft unterscheidet sich jedoch stark vom WtB-Handel aufgrund seiner Saisonabhängigkeit und der unterschiedlichen Warenbereiche. Im WtB-Handel kann das Angebot je nach Nachfrage abgestimmt werden, im Fachhandel und im Warenhaushandel wird speziell mit dem Angebot die Nachfrage beeinflusst. Es sollte aber nicht vergessen werden, dass ein Teil der Warenbereiche des Warenhausgeschäfts ausgesprochen WtB-typische Handlungsmodelle aufweisen.

Spezielle, die Warenauffüllung beeinflussenden Merkmale des Warenhaushandels:

  • hohe Produktmengen und zahlreiche Sortimentswechsel
  • ein Saisonsortiment enthält viele Saisonprodukte
  • viele Lieferanten und zerstreute Verteilerwege
  • Wechsel der Warenpräsentation
  • Filialenlager spielt eine wichtige Rolle

Im Warenhaushandel müssen unterschiedliche Angebotsmodelle berücksichtigt werden

Das Warenhausgeschäft ist aufgrund der Vielfalt seiner Handlungsmodelle und der Saisonabhängigkeit des Angebots ausgesprochen anspruchsvoll, was Warenauffüllung betrifft. Aufgrund der vielfältigen Warenbereiche und Bedürfnisse werden im Warenhausgeschäft mehrere Handlungsmodelle für eine effiziente Warenauffüllung benötigt, denn mit einem Modell kann nicht der gesamte Bereich erfolgreich automatisiert werden.

Hinsichtlich der Warenauffüllung können die Produkte in zwei Hauptgruppen untergliedert werden: Saisonprodukte und Dauerprodukte. Letztere gehören länger als eine Saison zum Sortiment und werden gewöhnlich öfters aufgefüllt. Für Dauerprodukte können jedoch auch Sondersituationen vorliegen, z. B. Absatzschwankungen aufgrund von Kampagnen, Saison- oder Jahreszeitwechseln. Saisonprodukte sind wiederum nur eine befristete Zeit im Sortiment und werden gewöhnlich einmal im Zentrallager auf Vorrat gelagert (Warenhaussortiment wird öfter aufgefüllt).

Abbildung 1: Warenströme für Produkte verschiedener Angebotsmodelle

Wichtig für die Warenauffüllung in Warenhäusern ist die Entwicklung von bedarfsgerechten Lösungen für beide Alternativen. Die Bestellung von Dauerprodukten erfolgt einfacher über ein automatisiertes System, bei Saisonprodukten kann dagegen je nach Nachfrage nachbestellt werden, um das Angebot nach der Erstauffüllung zu gewährleisten. Für die Nachbestellung eines Dauerprodukts bietet sich die Steuerlogik PUSH-PULL-PUSH an:

  • Die erste Partie wird für die Filialen auf Grundlage der Prognose oder im Hinblick auf die Gesamtbeschaffungsmenge bereitgestellt (=PUSH)
  • Zu Verkaufsbeginn geht man automatisch zur nachfragebezogenen Auffüllung über, bei der die Bestellungen je nach Bedarf über das Zentrallager erfolgen (=PULL)
  • Zu Saisonende werden eventuelle Restbestände diesen Warenhäusern zur Verfügung gestellt, die der Prognose zufolge den besten Absatz aufweisen (=PUSH)

Bei der Erstauffüllung von Saisonprodukten spielt die Auffüllbestellung selbst eine geringe Rolle. Wichtigere Kriterien für die Festlegung der Bestellmengen sind Sortimentsmanagement, Bepreisung, Beschaffung und sogar Kampagnen. So gesehen kann mit einer Automatisierung der Bestellkalkulation nur ein relativ geringer Nutzen erzielt werden.

Warenbehandlung als Stütze des Bestellwesens

Im Warenhausgeschäft ist der Weg des Produkts bis ins Regal oft komplex.

Auch hier bieten sich vereinfachte Lösungen an, denn jede einzelne Warenbehandlung erhöht die Kosten merklich.

In Warenhäusern müssen bestimmte Behandlungsarbeiten durchgeführt werden. Bepreisung, Diebstahlsicherung und bestimmte Prüfungen sind Maßnahmen, die mit den Produkteigenschaften verbunden sind. Diese Funktionen wurden im Laufe der vergangenen zehn Jahre zum größten Teil in der Lieferkette auf die Herstellungs- oder Großhandelstufe zurückgesetzt.

Genauso wie die Warenströme wie vorher beschrieben getrennt werden können, kann auch die Warenbehandlung je nach Produkteigenschaften getrennt werden. Wenn Produkte, die behandelt werden müssen, gemeinsam mit Produkten, die direkt ins Regal kommen, geliefert werden, muss die gesamte Warenmenge Palette für Palette durchgegangen werden. In der Praxis müssen daher alle Produkte zunächst eingelagert werden und der Nutzen der Bestellautomatisierung wird wieder aufgehoben.

Trennung der Warenströme bedeutet, dass Dauerprodukte je nach Nachfrage automatisch bestellt und sofort nach Wareneingang in die Regale aufgefüllt werden und zwar am besten direkt aus der Transporteinheit, in der sie eingegangen sind. Produkte, die behandelt werden müssen, werden dagegen separat geliefert, wobei die notwendige Behandlungszeit berücksichtigt wird. Beim Großteil der zu behandelnden Produkte handelt es sich um Saisonprodukte.

Berücksichtigung der Warenhauserscheinung in der Warenauffüllung

Zweck der automatischen Warenauffüllung ist oft eine Senkung des Warenbestands und Steigerung der Effizienz. Vorrangiges Ziel im Einzelhandel ist jedoch der Verkauf, nicht die Senkung der Lagerbestände. Es ist nicht ungewöhnlich, dass bei automatisierter Warenauffüllung mehr Verkaufstisch und Regal als Produkt zu sehen ist. Im Warenhausgeschäft spitzt sich das Problem zu, da das breite Sortiment zahlreiche Artikel mit relativ geringer Umschlaggeschwindigkeit enthält. Ein besonders wichtiger Verkaufsaspekt ist im Warenhausgeschäft eine verlockende Warenpräsentation. Eine Möglichkeit, die Warenpräsentation zu verbessern, ist die Verlängerung der Lagerdauer oder die Erhöhung der Sicherheitsbestände. Das Problem ist jedoch, dass gleichzeitig auch der Bestand an solchen Produkten erhöht wird, für die hierfür kein Bedarf vorliegt, andererseits werden preiswerte, platzsparende Produkte (z. B. Strümpfe) trotzdem nicht besser präsentiert. Hier bietet sich als Lösung an, produktspezifische Mindestregalmengen festzulegen. Dabei wird genau die Menge von Produkten auf Lager gehalten, die für eine ansprechende Warenpräsentation benötigt wird, auch wenn deren Absatz ausgesprochen gering ist.

Abbildung 2: Warenbehandlung im Warenhaus

Andererseits schließt die Nutzung von Mindestregalmengen nicht aus, je nach Nachfrage Auffüllbestellungen zu tätigen. Die Mindestregalmengen können entweder manuell filialspezifisch (z. B. mit PDA) festgelegt werden oder bei Nutzung von Regalabbildungen automatisch auf Grundlage von Face-Daten.

Effizientere Produktabkündigung durch Ausnahmenmanagement

Die Produktverwaltung in der Endphase des Produktlebenszyklus stellt im Warenhausgeschäft einen wichtigen Aspekt dar hinsichtlich der Ergebniserwirtschaftung. Die Erstellung von präzisen Nachfrageprognosen für Saisonprodukte ist jedoch eine hohe Herausforderung aufgrund hoher Produktwechselfrequenz und langfristiger Prognosenhorizonte. Häufig müssen die Produkte auf einmal auf Grundlage der Erstprognose bestellt werden. Obwohl auf die Richtigkeit von Prognosen gesetzt werden muss, ist klar, dass nur mit Prognosen keine ausreichend guten Ergebnisse erzielt werden können.

In der Endphase des Produktlebenszyklus muss die Produktsteuerung auf Basis von ständigem Monitoring erfolgen und das Angebot entsprechend der Nachfrage gesteuert werden. Es bietet sich also nicht an, die gesamte Produktbestellung auf einmal in die Filialen zu liefern. Wahrscheinlich ist das Absatzverhalten eines Produktes von Filiale zu Filiale unterschiedlich, so dass zum Beispiel 20 % der Produkte im Zentrallager verbleiben sollten, damit die einzelnen Filialen je nach Nachfrage aufgefüllt werden können. Das setzt natürlich voraus, dass das Produkt im Zentrallager gelagert werden kann oder ohne Einschränkungen beim Liefanten für die Lieferung verfügbar ist. Das Problem ist bis jetzt für gewöhnlich gewesen, dass eine manuelle Überwachung der Lagersituation mehr oder weniger unmöglich ist. Durch Nutzung von Automatikauffüllung könnte diese Arbeitsphase jedoch automatisiert werden. Zusätzlich können mit Hilfe eines systembasierten Ausnahmenmanagements z. B. Situationen in Verbindung mit Lagerüberbeständen aufgezeigt und diesbezüglich automatisch Maßnahmen unternommen werden. In der Praxis bedeutet dies, dass der für Lieferabrufe verantwortliche Mitarbeiter nur solche Ausnahmesituationen bearbeiten muss, für die er tatsächlich Zeit hat. So kann in Engpasssituationen gewährleistet werden, dass die Produkte automatisch dort sind, wo auch die Nachfrage besteht und andererseits wird effizient und schnell auf Lagerüberbestände reagiert. Als Ergebnis werden die durch obligatorische Preissenkungen zum Saisonende verursachten Abschreibungen gesenkt.

Das logistische Handlungsmodell wirkt sich nicht auf die automatische Warenauffüllung der Filiale aus.

Der Warenhaushandel ist durch die Vielzahl von Lieferanten und Direktlieferungen geprägt. Oft wird angenommen, dass ein Produkt im Zentrallager eingelagert werden muss, damit eine automatische Auffüllung möglich ist. Das stimmt aber nicht. Ist für einen Lieferanten eine bestimmte Lieferzeit und Lieferrhythmus festgelegt, kann die automatische Warenauffüllung auch direkt vom Lieferanten aus erfolgen. Die Buchung der Produkte und damit das Bestandsmanagement sind zweifellos schwieriger bei Direktlieferanten, was sich natürlich auf das Bestellwesen auswirkt.

RELEX Lösungen für die Warenauffüllung im Warenhaushandel

RELEX Lösungen bieten deutliche Vorteile. Typische Vorteile für die Warenauffüllung im Einzelhandel sind:

  • deutliche Verbesserung der Regalverfügbarkeit
  • Steigerung des Automatisierungsgrads des Bestellwesens und Senkung des Zeitaufwands für Bestellungen
  • Senkung der Warenbehandlungskosten der Filialen durch Festelegen wirtschaftlicher Lieferpartien und Lieferrhythmen
  • Präzisierung der Prognosen für schwierige Situationen wie Saisonzeiten und Kampagnen

RELEX bietet für das Warenhausgeschäft Lösungen zur Auffüllung von Dauerprodukten sowie zur Verwaltung der Filialenauffüllung von Saisonrestposten. Obwohl hinsichtlich der Artikelmenge mehr als die Hälfte des Sortiments Saisonprodukte sind, werden gewöhnlich 60–80 % des Warenstroms und damit des Arbeitsaufwands von Dauerprodukten verursacht.

Die wichtigesten Vorteile von RELEX Lösungen für den Warenhaushandel sind:

  • gleichzeitige Verbesserung der Warenhauserscheinung und Senkung der Lagerbestände durch Festlegen von Mindestbeständen und mit Hilfe von automatisch aktualisierbarer Steuerparameter
  • eigene, für das Kampagnenmanagement geeignete Prognose- und Bestellmodelle und Filterung der Kapmpagnenabsatzprognosen aus normalen Verkaufsprognosen
  • Optimierung der Warenauffüllung, speziell Warenbehandlung, durch Nutzung von flexiblen Kostenparametern für unterschiedliche Produkte (einschließlich Warenauffüllung im Zentrallager)
  • Verwaltung des Produktlebenszyklus durch Nutzung von Ausnahmenmanagement
  • Erhöhung der Auffüllfrequenz durch Erhöhung des Automatisierungsgrades, besonders bei platzaufwändigen Produkten
  • präzise und wirkungsvolle Saisonprognosen auch für Produktneuheiten mit Hilfe von Nachfragemodellen

Und was nun?

RELEX besitzt umfassende Erfahrungen und Nachweise in der prozessorientierten Entwicklung der Warenauffüllung im Einzelhandel. In einem nur einstündigen Treffen können wir Ihre Situation kartieren und erste Entwicklungsschritte planen. Wenden Sie sich an uns: Timo Ala-Risku (timo.ala-risku@relexsolutions.de, +49 (0)151 10 27 49 69).