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Coronabedingte Nachfragesteigerung trotz knapper Bestände meistern

Mrz 23, 2020 4 min

Unser Senior Solution Consultant Janne Kahila schrieb bereits darüber, wie Händler die enorme Nachfrage durch Hamsterkäufe bewältigen können. Er empfiehlt Händlern, sich auf die Expertise ihrer Bestandsplaner zu verlassen. Sie können die Prognosen in ihrem Planungssystem durch das kontinuierliche Beobachten von Abverkäufen anpassen.

Darüber hinaus müssen Händler aber eine transparente, proaktive Beziehung mit ihren Lieferanten und über alle internen Teams hinweg pflegen. Nur so kann die Verfügbarkeit auch bei begrenzten Beständen während dieser außergewöhnlichen, anhaltend hohen Nachfrage aufrechterhalten werden.

Korrigierte Prognosen mit Lieferanten teilen

Janne Kahila erklärt in seinem Blogeintrag, wie Händler Technologie nutzen, um Geschäftsentscheidungen ihrer Absatzplaner zu automatisieren. So können sie zum Beispiel Prognosemodelle oder Sicherheitsbestandsmengen ändern, statt die tatsächlichen Prognosen zu automatisieren. Das Erstellen von korrigierten Prognosen ist nicht das Endziel. Vielmehr sollte eine hohe Verfügbarkeit sichergestellt werden, da Kunden aufgrund drohender Quarantäne weiterhin Hamsterkäufe tätigen.

Um das zu erreichen, müssen Sie garantieren, dass Ihre Lieferanten – sowohl die Standardlieferanten als auch die wechselnden – volle Einsicht in den projizierten Absatz erhalten. Nehmen wir an, dass Sie zum Beispiel gewöhnlich 1.000 Einheiten eines Produktes pro Woche bestellen, aber Ihre Bestellung jetzt auf 3.000 Einheiten für die nächste Woche korrigieren. Ihr Lieferant sollte dann so schnell wie möglich darüber benachrichtigt werden, idealerweise nahezu in Echtzeit. Nur so kann er diese Bestände für Sie reservieren. Akkurate Prognosen sind nutzlos, wenn sie nicht rechtzeitig geteilt werden, um Bestände zu sichern.

Transparenz über alle Abteilungen hinweg sicherstellen

Eine Änderung der Nachfrage wirkt sich auf den gesamten Geschäftsbetrieb aus. Deshalb ist es wichtig, dass Sie korrigierte Prognosen mit allen relevanten funktionalen Bereichen innerhalb Ihrer Organisation teilen.

Ihre Verteilzentren müssen Prognosekorrekturen zeitnah einsehen, damit sie über ausreichend Personal und Platz für eingehende Bestände verfügen. Das Teilen von Projektionen auf Filialebene erlaubt Ihrem Planungssystem die Allokation der richtigen Menge in die Filialen basierend auf dem höchsten Bedarf – dieser kann momentan von Standort zu Standort sehr stark schwanken.

Workforce-Manager müssen wissen, wie viel Ware geliefert wird. So können sie genug Mitarbeiter einteilen, die sich um das Entladen der Produkte und deren schnelle Verräumung in die Regale kümmern. Momentan ist es wichtiger, Mitarbeiter für das Kommissionieren und Verpacken von Waren für den Versand bereitzustellen, statt sie auf der Verkaufsfläche zur Kundenberatung einzusetzen. Workforce-Manager benötigen daher Einsicht in die Nachfrage pro Vertriebskanal.

Die beste Strategie ist deshalb, detaillierte Prognosen sowohl intern als auch extern zu teilen. Das mildert den disruptiven Einfluss von Nachfragesteigerungen im gesamten Geschäftsbetrieb ab.

Lieferantenpreise und -beschränkungen im Auge behalten

Sobald die Nachfrage die Verfügbarkeit übersteigt, sind Preiserhöhungen sehr wahrscheinlich die Folge. Einkäufer müssen daher Lieferantenpreise genau im Auge behalten. Dies erfordert klare Kommunikation mit Ihren Lieferanten über deren verfügbares Angebot. Hier hilft Ihnen Ihr Planungssystem dabei, zu antizipieren, wenn Preise ein Niveau erreichen, das für Ihr Unternehmen nicht länger sinnvoll ist. Durch das proaktive Überwachen von Preisentwicklungen können Ihre Einkäufer bestimmen, ob es Sinn ergibt, Bestellungen nur für den Bedarf der Folgewoche aufzugeben oder ob bereits größere Mengen im Vorfeld zum optimalen Preis geordert werden sollten.

Bei der Neubewertung von Bestellmengen sollten Sie zudem Lieferantenbeschränkungen nicht vergessen. In der Vergangenheit war es vielleicht klüger, kleinere Mengen mit höheren Liefergebühren zu bestellen, wenn die Nachfrage hinter den größeren Losgrößen der Lieferanten zurückblieb. Durch die erhöhte Nachfrage kann es momentan eventuell sinnvoller sein, zu höheren Bestellmengen zu wechseln, bis die Nachfrage sich wieder normalisiert.

Limitierte Bestände vorausschauend allozieren

Viele Händler verzeichnen Bestandsknappheiten sowohl für Produkte mit kurzer als auch mit langer Durchlaufzeit. Verschärft wird das durch den Rückgang in der chinesischen Produktion. Für beide Produkttypen sollten Händler bei limitierten Beständen die Allokation strategisch auf die Nachfrage angleichen.

Ein Beispiel: Sie erhalten bald eine Lieferung Badetücher, die aus China verschifft wurde, bevor die aktuelle Coronakrise begann. Durch Selbstquarantäne und Social Distancing rund um die Welt werden Badetücher allerdings derzeit kaum nachgefragt. Es ist daher sinnvoll, sie in Filialen zu verteilen, bei denen der Bedarf generell höher ist: Filialen, die in Strandnähe liegen zum Beispiel.

Händler müssen sich auf Produkte mit hoher Nachfrage konzentrieren. Das bedeutet, Allokationen und Flächenplanung so anzupassen, dass unverzichtbare Artikel in ausreichender Menge für alle Shopper vorhanden sind.

Viel wichtiger jedoch: Händler müssen sich auf Produkte mit hoher Nachfrage konzentrieren. Das bedeutet, Allokationen und Flächenplanung so anzupassen, dass unverzichtbare Artikel in ausreichender Menge für alle Shopper vorhanden sind. Egal, wie viele Badetücher Sie gerade auf Lager haben – Ihre Kunden in der sonnigsten Küstenregion benötigen dennoch eher haltbare Lebensmittel und Hygieneprodukte.

Viele unserer Kunden wirken dem beschränkten Bestand durch eine reduzierte Warenpräsentation entgegen. Auch wenn attraktive Displays das Kauferlebnis verbessern und Verkäufe anheizen, ist es jetzt wesentlich wichtiger, so viel Ware wie möglich für den Verkauf zur Verfügung zu stellen.

Die Wichtigkeit von Lieferantenvielfalt

Im Idealfall hatten Sie für Ihre wichtigsten Kategorien schon Ausweichlieferanten, bevor die Umsätze zu steigen begannen. Falls nicht, sollten Sie jetzt definitiv nach weiteren Lieferanten suchen – sowohl im eigenen Land als auch in Märkten, die ein geringeres Risiko tragen. Für viele ist es allerdings bereits zu spät, zusätzliche Lieferanten zu verpflichten. Wie der „Guardian“ berichtet, glauben laut einer britischen Umfrage nur sieben Prozent der Einzelhändler, in ihrer Supply-Chain über genügend Flexibilität zu verfügen, um ihre Lieferanten wechseln zu können.

Supply-Chain-Krisen wie diese verdeutlichen wie riskant es ist, sich auf einen Markt als einzige Bezugsquelle zu verlassen. Best Practice ist es, auch unter normalen Umständen, eine breit gefächerte Lieferantenbasis aufzubauen, um vor Störungen in einem Markt geschützt zu sein.

Selbst wenn Sie keine weiteren Lieferanten verpflichten können: Die Methoden, die wir hier vorgestellt haben, sollten Ihnen helfen, das Bestmögliche aus der aktuellen Lage zu machen bis die Krise vorbei ist. In Zeiten wie diesen tragen wir im Einzelhandel die Verantwortung, die Versorgung in Städten und Gemeinden sicherzustellen. Arbeiten Sie proaktiv mit Ihren Lieferanten und Ihren internen Teams zusammen, um Verfügbarkeit für Ihre Kunden zu gewährleisten, während diese sich auf die kommenden Wochen vorbereiten.

Autor

Cley Knighten