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Der LEH rüstet zum Kampf gegen Amazons Frischeoffensive

Okt 14, 2020 2 min

Im Oktober 2019, Monate bevor die Coronakrise begann, traf Amazon eine strategische Entscheidung: Lebensmittellieferungen frei Haus für Prime-Abonnenten in den USA! Eine Kampfansage, die erneut zeigt, dass Amazon aktiv daran arbeitet, sich als ernstzunehmender Akteur auf dem Lebensmittelmarkt zu etablieren.

Wenn Amazon einen neuen Service startet, geschieht das stets mit viel Tamtam und allseitiger Aufmerksamkeit. Für Wettbewerber im Einzelhandel ist das problematisch: Häufig sehen sie sich in eine defensive Rolle gedrängt, obwohl sie ähnliche – oder gar bessere – Serviceangebote im Programm haben. In einer von RELEX und EnsembleIQ durchgeführten Studie nordamerikanischer Lebensmitteleinzelhändler äußerten 2019 mehr als die Hälfte der Befragten die Annahme, dass Amazon Marktanteile im Lebensmittelsektor gewinne.

Traditionelle Lebensmitteleinzelhändler müssen ihr Selbstvertrauen zurückgewinnen und den Kampf mit Amazon aufnehmen. Der Konzern ist mit Sicherheit nicht das einzige Unternehmen, das Onlinebestellungen und die Lieferung frischer Lebensmittel bietet, aber seine beträchtlichen Investitionen und Ressourcen verleihen ihm den Anschein der Unbesiegbarkeit. Wettbewerber im Lebensmittelhandel haben jedoch eine Menge an Vorteilen gegenüber dem Goliath (und bieten ein gleichwertiges Angebot). Sie benötigen lediglich das richtige Fundament, um ihre Karten auch bestmöglich auszuspielen.

Um erfolgreiches und wettbewerbsfähiges Onlineshopping anzubieten, ist eine robuste Supply-Chain-Infrastruktur nötig – denn das Onlinegeschäft unterliegt völlig anderen Mustern als Filialverkäufe. Verlassen sich Händler, die Onlinebestellungen in ihren stationären Filialen kommissionieren, ausschließlich auf Filialprognosen, können sie ihre Regale nicht präzise genug auffüllen, um die Nachfrage beider Kanäle zu befriedigen. Sowohl Onlineshopper als auch Filialbesucher werden dann mit höherer Wahrscheinlichkeit mit Out-of-Stocks konfrontiert und auf einen Wettbewerber ausweichen. 

Die beste Abhilfe ist es, separate, automatisierte, datenbasierte Absatzprognosen pro Kanal zu erstellen und sie in der Supply-Chain-Planung zu vereinen. Mit angemessenen Investitionen holen Händler das Beste aus ihren sorgsam entwickelten Differenzierungsmerkmalen heraus: Zum Beispiel können bestehende Filialen ultraschnelle Lieferungen von Frischeprodukten bieten.

Amazon etabliert sein eigenes Mainstream-Konzept für Frischwaren und hat sich darüber hinaus mit der Übernahme der Bio-Kette Whole Foods und dem Betrieb hundertprozentiger Dark Stores in Stellung gebracht. Auf diese Infrastruktur greift der Konzern zur Unterstützung von Lebensmittellieferungen zurück. Berichten zufolge ist Amazon auch in Verhandlungen, um Fulfillment-Knotenpunkte in kommunalen und regionalen Einkaufszentren einzurichten. Auch diese tragen dazu bei, die Begehrlichkeiten des Onlinegiganten im Lebensmittelbereich zu befriedigen.

Das erhöht den Druck auf Lebensmitteleinzelhändler, ihre Supply-Chain-Planung und Prognosefähigkeiten auszubauen. Gleichzeitig sollten sie ihre Stärken und Vorteile den Kunden direkt durch ihre Marketingaktivitäten präsentieren. Dadurch erreichen sie, dass Shopper sie als verlässliche Wahl für ihre Online- und Filialkäufe im Gedächtnis behalten, jetzt und auch in Zukunft.

Dieser Artikel erschien zuerst in RetailWire.