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Die neue Normalität im E-Commerce nach COVID-19

Apr 23, 2020 3 min

Viele Einzelhändler konzentrieren sich derzeit auf die Bedürfnisse, die aus den coronabedingten starken Nachfrageänderungen und Bestandsknappheiten entstehen. Wir freuen uns, dass viele unserer Kunden aus den systemrelevanten Handelsbranchen dem Ansturm besser gerecht werden konnten, als sie selbst voraussagten – trotz der kurzfristigen extremen Hamsterkäufe durch COVID-19.

Obwohl das natürlich gute Nachrichten sind, sollten Einzelhändler sich vor falscher Zuversicht hüten. In einer Krise wie dieser werden typischerweise die kurzfristigen Einflüsse stark überschätzt, während die Langzeitfolgen dramatisch unterschätzt werden. Jetzt, da die Pandemie bereits mehrere Wochen andauert, müssen Händler ihren Blick wieder in die Zukunft richten, um auf lange Sicht erfolgreich zu bleiben.

Immer mehr Verbraucher sind durch Filialschließungen dazu gezwungen, online einzukaufen. Wir hoffen, dass Händler deshalb ihre Onlinestrategien taktisch clever vorantreiben. Vor diesem Hintergrund hier unsere Top-Drei-Prognosen über die „neue Normalität“ im E-Commerce.

ANSTIEG DER ONLINEKÄUFE

Die gesetzlich verordnete Schließung von Filialen hat viele neue Kundengruppen zum E-Commerce geführt. Das gilt beispielsweise auch für Frischwaren, die viele Konsumenten lieber vor Ort einkaufen. Kunden werden in die Filialen zurückkehren, sobald diese wieder öffnen – dennoch hat ein wesentlicher Teil der Bevölkerung die Lernschwelle für das Onlineshopping überschritten. So wird die Bequemlichkeit des Einkaufens im Internet für diese Gruppe weiterhin attraktiv bleiben. Auch wenn Onlineverkäufe nach der Wiedereröffnung der Filialen wieder sinken werden, werden sie wohl auf einem höheren Wert bleiben als vor Ausbruch des Coronavirus.

DIE MEISTEN HÄNDLER MÜSSEN DIE FÄHIGKEIT DER ONLINE-AUFTRAGSERFÜLLUNG VERBESSERN

Lebensmitteleinzelhändler erlebten steigende Umsätze durch hohe Nachfrage. Aber auch sie verlieren Margen durch teure und ineffiziente Hauslieferungen. Fachhändler, die keinen Anstieg der Nachfrage verzeichneten, wurden ebenso gedrängt, ihre Kapazitäten für die Zustellung nach Hause zu erhöhen.
Durch die vielseitige Verfügbarkeit von Drittzustellern ist es nicht sehr schwierig, Fahrer und Fahrzeuge zu finden, aber es ist zurzeit auch nicht besonders effizient. Die Partnerschaften mit Lieferdiensten werden wichtiger, sodass sich der Fokus auf die Steigerung der Effizienz und Reduktion der Kosten legen wird.

Die meisten Einzelhändler, mit denen wir sprachen, identifizierten die Online-Kommissionierung als Engpass, da sie nicht so leicht outgesourct werden kann wie die Zustellung. Erwägen Sie daher, wie effektiv Sie aus Ihren eigenen Filialen heraus kommissionieren können: Diese verfügen bereits über ein breites Netzwerk, was einen großen Vorteil darstellt.

Bauen Sie weiter Ihre Fulfillment-Fähigkeiten aus und stellen Sie sicher, dass Ihrem Geschäftsbetrieb verlässliche Systeme zugrunde liegen, die Bestände nach Kanal managen können.

Letztlich sollten Unternehmen die Erfahrung, die sie jetzt über ihre eigenen Fähigkeiten der Onlineerfüllbarkeit machen, genau untersuchen und die Ergebnisse auf künftige Prozesse anwenden. Bauen Sie daher weiter Ihre Fulfillment-Fähigkeiten aus und stellen Sie sicher, dass Ihrem Geschäftsbetrieb verlässliche Systeme zugrunde liegen, die Bestände nach Kanal managen können.

NEUE PARTNERSCHAFTEN FÜR DIE OPTIMIERUNG DES FULFILLMENTS

Wir haben im Zuge der Suche von Händlern nach kreativen Wegen zur Verbesserung des Online-Fulfillments die Entstehung einiger innovativer Partnerschaften beobachtet. Viele dieser Partnerschaften konzentrieren sich auf die Steigerung der Effizienz der bestehenden Prozesse. Zum Beispiel erweitern Essenslieferdienste ihren Service auf das Liefern von Lebensmitteln oder sogar Werkzeugen direkt zum Konsumenten. In Finnland hat sich das Tierbedarfsunternehmen Musti Group mit dem Essenslieferdienst Wolt zusammengetan, um Tiernahrung und -zubehör direkt zu den Kunden nach Hause zu bringen.

Natürlich werden nicht alle diese Partnerschaften auf lange Zeit bestehen – gerade, wenn Filialen wieder öffnen dürfen. Wir glauben dennoch, dass diese Partnerschaften der erste Schritt in Richtung eines Modells sind, das die schnelle Zustellung für alle Produktarten in den Vordergrund stellt. So könnten auch kleinere Händler Amazons Vormachtstellung herausfordern, ohne selbst eine enorme logistische Infrastruktur aufbauen zu müssen.

Dies sind drei primäre Trends im E-Commerce, die wir für die Zeit nach dem Coronavirus erwarten. Es wird aber weitere Änderungen geben, sowohl absehbare als auch unvorhergesehene. Sortimentsrationalisierung wird beispielsweise wohl wesentlich wichtiger werden – sowohl nach Kategorie als auch nach Kanal – wenn die Nachfrage sich auf neuen Ebenen eingespielt hat. Wir sind auch gespannt, ob es einen Anstieg bei Mikrofulfillment-Centern geben wird, um die Belastung durch die Bestellkommissionierung zu lindern.

Das wichtigste, was wir Einzelhändlern jetzt gerne auf den Weg geben möchten, ist Folgendes: Der Kenntnisstand, den Sie im März darüber erlangten, wie Ihr Unternehmen am besten operiert, ist bereits veraltet. Halten Sie Augen und Verstand offen, wenn Sie weiter voranschreiten. Stellen Sie sicher, dass Ihre Geschäftsprozesse und die Technologie, die diese stützen, flexibel genug sind, um Ihnen zu helfen, sich an die neue Normalität anzupassen – wie auch immer diese aussieht.

Autor

Michael Falck

Michael Falck

Co-founder & President, North America
Johanna Småros

Johanna Småros

Co-founder & Group Chief Marketing Officer