Vom Hof auf den Tisch: Der komplexe Weg von Tegels Freilandhühnern
Seit 1961 versorgt Tegel die neuseeländische Bevölkerung mit Hühnerfleisch. Auch wenn sich vieles verändert hat, hält der Produzent an seinem Versprechen fest, seinen Kunden gesundes Freilandgefügel zu bieten. Heute hält das Unternehmen mehr als 50 % des neuseeländischen Markts und bietet eine breite Produktpalette an – von Nuggets und Snacks bis hin zu klassischen Teilstücken und ganzen Bratenhhähnchen, allesamt aus eigener Tegel-Aufzucht.
Auch wenn die meisten Tegel-Produkte in der Küche einfach zuzubereiten sind, ist der Weg von der Brüterei bis auf den Esstisch weitaus komplexer.
Das grundsätzliche Problem der Tabellenkalkulationsplanung
Wie viele Unternehmen erledigte Tegel die gesamte Planung in Excel: Komplizierte Tabellen steuerten den gesamten S&OP-Prozess. Arijit Saha, General Manager of Supply Chain bei Tegel, beschreibt die Auswirkungen auf das Unternehmen: „Wir hatten eine Menge Daten, aber die Qualität ließ zu wünschen übrig. Die Planungsmöglichkeiten waren begrenzt, und weder Zeit noch Werkzeuge reichten aus, um unsere Pläne richtig zu analysieren. Das war für ein Unternehmen unserer Größe nicht tragfähig. Wir brauchten etwas, das uns hilft, bessere Geschäftsentscheidungen zu treffen – sowohl kurz- als auch langfristig.“
Mit über 50 Millionen verarbeiteten Tieren pro Jahr an drei separaten Produktionsstandorten war eine neue Supply-Chain-Planungslösung der einzige Weg nach vorne.
Bedarfsprognose: Der Schlüssel zur Rentabilität
Tegel implementierte RELEX parallel zu einer umfangreichen ERP-Aktualisierung – eine anspruchsvolle Aufgabe, doch das Unternehmen konnte nicht warten. Nachdem das Team ermittelt hatte, wie RELEX das Unternehmen am besten unterstützen konnte, schritt es zur Implementierung.
Die Datenvorbereitung war eine der größten Herausforderungen für Tegel. Jedes Tier ist anders, und der Umgang mit Eingangs- und Ertragsschwankungen ist entscheidend für die Planung einer Gefügel-Supply-Chain. Mit diesem Bewusstsein investierte das Team erheblichen Aufwand in die Erfassung der Prozesse und die Berücksichtigung der ihnen innewohnenden Variabilität.
Eines der Hauptziele von Tegel mit RELEX war die Verbesserung der Bedarfstransparenz – daher war die Bedarfsprognose der naheliegende Ausgangspunkt.
„Um in unserer Branche Gewinne zu erzielen, muss man alle Teile des Hähnchens optimal verwerten“, erklärt Saha und verdeutlicht, warum Prognosen für das Unternehmen so wichtig sind. „Wir brauchten einen längeren Planungshorizont und genauere Prognosen, um das ‘Balancing of the Bird’ besser hinzubekommen.“
Tegel erstellt nun monatlich eine statistische Prognose in RELEX, die vollständig mit dem S&OP-Zyklus des Unternehmens abgestimmt ist. Nach dem monatlichen Lauf bleibt das Prognosesystem offen, sodass das Vertriebsteam die Zahlen anpassen kann, sobald neue Informationen vorliegen.
Das zentrale Planungsteam von Tegel nutzt anschließend die RELEX-Supply-Chain-Optimierungslösung, um wöchentliche Produktionsziele für die drei Werke zu erstellen. Jeder Produktionsstandort hat zudem Zugriff auf eine tägliche Aufschlüsselung der Bedarfsprognose, die die täglichen Entscheidungen zur Linienbelegung unterstützt.
Eine einheitliche Planungsplattform
Die RELEX-Lösung hat es Tegel ermöglicht, den Großteil der Planungstabellen außer Betrieb zu nehmen. Alle Beteiligten arbeiten nun mit denselben Zahlen. Die interne Kommunikation hat sich dadurch verbessert, und dank besserer Analysen des Planungsteams läuft der S&OP-Prozess des Unternehmens deutlich reibungsloser.
„Ich habe immer gesagt: Bedarfsplanung ist der Schlüssel“, so Saha. „Sie gibt den Takt für unsere Supply Chain vor und bereitet den Boden für alles andere – strategisch, taktisch und operativ. Dank der KI-gestützten Prognosefunktionen von RELEX ist unser Bedarfsplanungsprozess nun automatisiert. Das spart nicht nur wertvolle Zeit, sondern liefert uns auch eine deutlich bessere Prognosegenauigkeit. Das gesamte Unternehmen vertraut inzwischen der Prognose.“
Die verbesserte Transparenz über Bedarf und Kapazitäten versetzt das Planungsteam in eine bessere Position, um Engpässe zu erkennen und Überschusssituationen zu begegnen. Entscheidend ist, dass das Team nun mehr Zeit hat, um proaktiv mit dem Vertrieb zusammenzuarbeiten und Promotionen sowie Substitutionen gezielt einzusetzen. Auf der Produktionsseite lässt sich die Linienreihenfolge besser optimieren, um Durchsatz und Erträge zu steigern. All das hilft Tegel, den Bedarf bestmöglich zu decken und gleichzeitig Lagerstände, Abfall sowie Margenerosion auf ein Minimum zu reduzieren.
Auf mittlere bis lange Sicht ermöglicht RELEX den Supply-Chain-Planern des Unternehmens bessere Zukunftsentscheidungen. Sie sehen, was mit vorhandenen Kapazitäten möglich ist, und können die Simulationsfunktionen des Systems nutzen, um verschiedene Investitionsszenarien zu bewerten.
Das Projekt hat sich auch positiv auf die Gefügelaufzucht ausgewirkt. Das Unternehmen züchtet keine Tiere mehr auf Vorrat in der Hoffnung auf einen Verkauf. Die Aufzucht erfolgt auf Basis einer verlässlichen Prognose und mit der Gewissheit, dass alle Teile des Tieres abgesetzt werden.
Zentrale Planung, lokale Verantwortung
Heute erstellt das zentrale Planungsteam Bedarfsprognosen und wöchentliche Produktionspläne für das gesamte Unternehmen. Die Verantwortung für die Prognosen liegt jedoch nach wie vor beim Vertriebsteam. Ebenso ist jeder Produktionsstandort weiterhin für die detaillierte Planung zuständig – daran wird auch der bevorstehende Rollout der RELEX-Produktionsplanungslösung voraussichtlich nichts ändern.
Saha betont, dass das Unternehmen das RELEX-System als Entscheidungsunterstützung versteht, nicht als Entscheidungsträger. „Unser Business Case war nicht auf ein bestimmtes Einsparziel ausgerichtet. RELEX ist ein Werkzeug, das es uns ermöglicht, das Unternehmen besser zu führen. Wer konsequent bessere Geschäftsentscheidungen trifft, dem regelt sich die finanzielle Seite von selbst. In unserem Fall hat sich das bewahrheitet.“