Das Potenzial der Geflügelindustrie: Leistungssteigerung, Effizienz und bessere Ergebnisse

Die Geflügelverarbeitung steht – wie die meisten anderen Proteinbranchen – vor komplexen Planungsherausforderungen, die weit über die Möglichkeiten manueller Entscheidungsfindung hinausgehen, wenn eine echte Optimierung erreicht werden soll.

Im Gegensatz zur klassischen Fertigung, bei der verschiedene Komponenten schrittweise hinzugefügt werden, basiert die Geflügelverarbeitung auf Disaggregation. Diese Disaggregation bringt Herausforderungen wie die Schlachtkörperbalancierung mit sich – ein zentraler Faktor für die Maximierung des Zerlegeplans je Tier und ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Rentabilität. Weitere kritische Aspekte umfassen das Management von Überschüssen, die Gewichtsverteilung der Tiere, Prognosegenauigkeit, durchgängige Transparenz, klarere und faktenbasierte Führungsentscheidungen, optimiertes Bestandsmanagement, die Steuerung von Haltbarkeitsterminen sowie Szenariotests für fundiertere Geschäftsentscheidungen.

Letztlich hört der Zufluss an Tieren nicht auf. Das Hauptziel für Verarbeiter besteht darin, das verfügbare Angebot so zu lenken, dass Kunden zufrieden bleiben und die Profitabilität steigt. Die Realität ist klar: Tabellenkalkulationen sind der zunehmenden Komplexität nicht mehr gewachsen.

Die wichtigsten Abschnitte der Geflügelverarbeitungs-Supply-Chain

Abschnitt 1: Aufzuchtbetriebe – Eierproduktion – Ei-Bank – Brüterei

Aufzuchtbetriebe, Eierproduktion, Ei-Bank und Brüterei bilden einen kritischen Teil der Geflügel-Supply-Chain, der für die Produktion von Eintagsküken verantwortlich ist. Diese werden anschließend zur weiteren Aufzucht in Mastbetrieben überführt.

  1. Aufzuchtbetriebe: Diese Betriebe ziehen Hennen speziell für die Eierproduktion auf. Die Hennen werden gepflegt und auf optimale Gesundheit und Reife vorbereitet, damit sie fruchtbare Eier legen können.
  2. Eierproduktion: Sobald die Hennen ausgewachsen sind, beginnen sie Eier zu legen, aus denen später Küken schlüpfen. Die Qualität der Eier ist entscheidend: Die Betriebe müssen sicherstellen, dass die Hennen gut ernährt werden, gesund sind und unter den richtigen Bedingungen gehalten werden, um Eierproduktion und Befruchtungsraten zu maximieren.
  3. Ei-Bank: Die von den Hennen gelegten Eier werden gesammelt und unter kontrollierten Bedingungen gelagert. Diese Ei-Bank gewährleistet optimale Lagerbedingungen bis zur Überführung in die Brüterei. Eine präzise Temperatur- und Feuchtigkeitskontrolle ist in dieser Phase unerlässlich, um die Bebrütungsfähigkeit der Eier zu erhalten.
  4. Brüterei: In der Brüterei werden die Eier aus der Ei-Bank bebrütet, bis die Küken schlüpfen. Sobald sie geschlüpft sind, werden die Küken in die Mastbetriebe überführt, wo sie bis zur Schlachtreife aufgezogen werden.

Dieser Abschnitt der Supply Chain ist entscheidend für die Produktion gesunder, entwicklungsfähiger Eintagsküken und damit für eine kontinuierliche Geflügelversorgung in der Produktionsphase.

Abschnitt 2: Futterproduktion

Rund 60–75 % der Gesamtkosten für zur Schlachtung aufgezogenes Geflügel entfallen auf das Tierfutter – damit ist es der mit Abstand bedeutendste Kostenfaktor im Produktionsprozess.

Deshalb ist es entscheidend, dass die Futterproduktion – ob intern oder durch externe Dienstleister – hocheffizient gestaltet wird. Effiziente Futterproduktion senkt nicht nur Kosten, sondern hat auch direkten Einfluss auf Qualität und Gesundheit der Tiere und damit auf Wachstumsrate und Rentabilität.

Durch die Optimierung von Futtereinsatz, Rezepturen und Lieferlogistik können Züchter und Integratoren die Gesamtproduktionskosten deutlich senken und ihre Margen verbessern.

Abschnitt 3: Mäster

Mäster erhalten Geflügelküken von einem Geflügelintegrator und sind für Unterkunft, Pflege und weitere notwendige Leistungen über einen definierten Zeitraum verantwortlich. Ihre Aufgabe besteht darin, die Küken bis zur Schlachtreife aufzuziehen und sicherzustellen, dass das Geflügel die geforderten Wachstums- und Gesundheitsstandards erfüllt.

Abschnitt 4: Geflügelverarbeitung

Die Geflügelverarbeitung, der Schwerpunkt dieses Leitfadens, umfasst mehrere Schlüsselstufen. Diese können je nach Unternehmen variieren, beinhalten aber in der Regel:

1. Verarbeitung 

Diese Stufe umfasst den gesamten Prozess von der Schlachtung bis zum vollständig ausgebeinten Tier – inklusive Schlachtung, Entfedern, Ausnehmen und Ausbeinen. Das Ergebnis ist rohes Geflügel, das für die weitere Verwendung oder den Verkauf vorbereitet ist.

2. Weiterveredelung

In dieser Stufe ist das Geflügel noch roh, wird aber weiter veredelt, um seinen Mehrwert zu steigern. Dazu können das Hinzufügen von Soßen oder Marinaden, die Herstellung spezifischer Produkte wie Kebabs oder die Zubereitung vorgewürzter Teilstücke gehören. Dieser Schritt trägt dem Wunsch der Verbraucher nach Convenience und Vielfalt Rechnung.

3. Frischware 

In dieser Phase verarbeitet der Betrieb verschiedene Geflügelteile (wie Brust, Oberschenkel oder Flügel) und verpackt sie in unterschiedlichen Varianten als Frischprodukte – für Verbraucher oder Einzelhändler, die frisches, ungefrorenes Geflügel bevorzugen.

4. Industrielle Weiterverarbeitung

Auch als gegarte Produkte bezeichnet: Diese Stufe umfasst das Garen von Geflügel in verschiedenen Formen – Grillen, Backen oder Frittieren. Diese Teilstücke werden in der Regel eingefroren, um die Haltbarkeit zu verlängern, und als praktische, fertig zu verzehrende oder aufzuwärmende Produkte vermarktet.

5. Tiefkühlprodukte

In dieser Stufe werden Geflügelprodukte zur Bedarfsdeckung oder zum Abbau von Produktionsüberschüssen eingefroren. Das Einfrieren bietet dem Unternehmen Flexibilität im Bestandsmanagement sowie die Möglichkeit zur Langzeitleagerung für außersaisonalen Verkauf oder Großlieferungen.

10 Grundlagen für eine optimierte Geflügel-Supply-Chain-Planung

Dieser Leitfaden beschreibt zehn wesentliche Bereiche, die ein einheitliches, automatisiertes System erfordern – eines, in dem Entscheidungen auf Fakten basieren statt auf persönlicher Erfahrung, isolierten Teams und Bauchgefühl. Ein System, das maximale Tierauslastung und Profitabilität sicherstellt, Umsätze steigert und die Geflügelverarbeitung ihr volles Potenzial entfalten lässt.

1. Schlachtkörper-Balancierung – Damit der Vogel im Gleichgewicht bleibt

Die Schlachtkörperbalancierung ist komplexer als sie klingt. Es geht nicht nur darum, jeden Teil des Schlachtkörpers zu nutzen – obwohl das selbstverständlich entscheidend ist. Es bedeutet auch, verfügbares Angebot und Kundennachfrage in Einklang zu bringen. In den meisten Fällen besteht ein Ungleichgewicht, das Planer zu Kompromissen zwingt, die schnell komplex werden können.

Das Ziel jedes Geflügelplaners sollte Optimierung sein: sicherzustellen, dass jedes Tier maximale Profitabilität generiert. Das bedeutet, das Tier vollständig zu verwerten und sicherzustellen, dass alle Teile den bestmöglichen Erlösstrom erreichen.

Geflügel bietet die Vielseitigkeit für diese Art von Optimierung. Jedes Huhn kann auf verschiedene Arten zerlegt und verwendet werden, wobei jedes Endprodukt aus unterschiedlichen Teilstücken oder Stücklisten (BoM) entsteht. Zum Beispiel kann das Fleisch für ein Hähnchen-Teriyaki aus Schenkeln verschiedener Klassifizierungen und Gewichtsklassen stammen.

Die Komplexität ergibt sich aus dem Faktor Gewinnmaximierung. In manchen Fällen bestehen Kunden auf bestimmten Teilstücken; in anderen akzeptieren sie eher Alternativen. Der Kompromiss kann ein weniger lukratives Endprodukt sein, das aber stärker nachgefragt wird und gesicherten Umsatz bringt.

Letztlich liegt die eigentliche Komplexität – angesichts unvorhersehbarer Tiergewichte, variabler Endprodukte, unterschiedlicher Kundennachfragen und schwankender Preise – in den Tausenden von Zerlegeplänen, die ausgeglichen werden müssen, um Angebot und Nachfrage möglichst effektiv zu steuern.

2. Überschussmanagement 

Auch beim Streben nach Schlachtkörperbalancierung lassen sich Engpässe oder Überschüsse bei Teilstücken nicht vollständig vermeiden.

Viele Unternehmen reagieren auf Überschüsse erst dann, wenn sie wissen, wie viel tatsächlich im Kühlhaus liegt – ein höchst reaktiver Prozess. Oder sie treffen Entscheidungen auf Basis manueller Schätzungen anhand historischer Ergebnisse und Erfahrungswerte. Dies führt unweigerlich zu Räumungsverkäufen und Preisabschlägen.

Wie unter Punkt 1 beschrieben, bedeutet die Erstellung eines optimierten Plans eine proaktive Haltung: Es gilt, das Volumen der Überschussteile, die überhaupt erst ins Kühlhaus gelangen, zu minimieren. Diese Proaktivität ist nur durch Transparenz möglich – und Transparenz lässt sich nur durch Digitalisierung erreichen.

Mit klarer Transparenz über Überschussteile über einen längeren Zeitraum – bis zu 16 Wochen – kann der Vertrieb frühzeitig potenzielle Abnehmer und den optimalen Vermarktungskanal für überschüssige Teilstücke identifizieren.

Dieser Ansatz zur Wertmaximierung ersetzt die übliche Praxis von Schnellverkäufen und Sonderangeboten. Er reduziert auch den Bedarf an Einfrierungen, sodass für Frischware höhere Preise erzielt werden können. Echte Transparenz über Angebot und Nachfrage verschafft Planern und Vertriebsteams einen Vorsprung dabei, den rentabelsten Absatzweg zu finden und gleichzeitig Kühl- und Tiefkühlkapazitäten für den nächsten Wareneingang freizuhalten.

3. Agilität als strategische Stärke 

Die Geflügelindustrie ist durch schwankende Angebots- und Nachfragedynamiken geprägt, was zwei wesentliche Anforderungen unterstreicht: verbesserte, automatisierte Transparenz zur Erfassung aktueller und prognostizierter Trends sowie die Agilität, schnell auf Veränderungen zu reagieren. Diese Herausforderungen betreffen insbesondere Akteure in der Frischware- und industriellen Weiterverarbeitung, wo die anhaltenden Risiken Überbestand oder ungedeckte Nachfrage sind.

Verarbeiter müssen ihre Pläne schnell anpassen können, wenn sich Nachfrage- und Angebotssignale verändern.

In Unternehmen, die stark von Tabellenkalkulationen und manuellen Kopier-Einfüge-Prozessen abhängig sind, kann die Planungsanpassung Wochen dauern – eine ausreichend schnelle Reaktion ist damit unmöglich. Die Folge: Unternehmen verpassen Nachfrage, sitzen mit zu viel Überschuss im Tiefkühllager oder müssen Überschüsse zu stark reduzierten Preisen absetzen.

4. Optimierung der industriellen Weiterverarbeitung

Der Vorteil der industriellen Weiterverarbeitung liegt im längeren Planungshorizont und der zusätzlichen Zeit, die dadurch entsteht, dass das Tier nicht mehr als Frischware unter Zeitdruck vermarktet werden muss. Da diese Produkte eingefroren werden können, ergibt sich eine deutlich längere Haltbarkeit – mehr Lagerbestand kann gehalten und längere Produktionsläufe können ermöglicht werden.

Der Mehrwert entsteht nicht allein durch längerhaltbare Produkte. Er resultiert auch aus einer verbesserten Linienauslastung: Mit denselben Maschinen und Mitarbeitenden wird mehr produziert.

Wenn eine Linie mit 85 % Kapazität läuft (mit den verbleibenden 15 % für Wartung, Umrüstung und Reinigung), gibt es möglicherweise Potenzial, dieses Verhältnis zu verbessern. In der industriellen Weiterverarbeitung lassen sich die meisten Linien für unterschiedliche Produktionsanforderungen anpassen. Diese Umrüstung beansprucht jedoch Zeit, während der die Produktion ruht. Beispielsweise muss eine Paniermaschine für panierte Produkte in die Linie eingebaut und nach Abschluss wieder ausgebaut werden. Mit besserer Planung kann die Linie länger in einer Konfiguration gehalten werden, was Umrüstungen reduziert und sich spürbar auf das Betriebsergebnis auswirkt.

Die Herausforderung bei längeren Produktionsläufen besteht darin, die Kosten für Bestandshaltung, Ablaufprobleme und Lagerkosten gegen die Vorteile einer höheren Linienauslastung abzuwägen. Mathematische Modellierung und Optimierung ermitteln hier automatisch den wirtschaftlichsten Mix.

Die Erstellung eines Produktionsplans, der all diese Faktoren berücksichtigt, um das Gewinnfenster zu erweitern, gelingt am besten mit KI-gestützten Lösungen.

5. Prognosegenauigkeit und -verantwortlichkeit steigern

Die Verbesserung von Prognosegenauigkeit und Verantwortlichkeit kann die Effizienz, Rentabilität und Nachhaltigkeit in der Geflügelindustrie erheblich steigern.

  • Prognosegenauigkeit: Genaue Prognosen ermöglichen fundiertere Entscheidungen zu Produktionsplänen, Futtereinkäufen und Bestandsmanagement. Dies minimiert Verluste und Preiserosion, senkt Kosten und gewährleistet einen effizienten Ressourceneinsatz.
  • Prognoseverantwortlichkeit: Wenn Prognostiker für die Genauigkeit ihrer Vorhersagen verantwortlich gemacht werden, entsteht ein stärkerer Anreiz zur Verfeinerung von Prozessen, Modellen und Methoden – mit kontinuierlicher Verbesserung der Prognosequalität als Ergebnis.

Verbesserungen bei der Verantwortlichkeit unterstützen eine höhere Prognosegenauigkeit, die Geflügelproduzenten in folgenden Bereichen zugutekommen:

  • Optimierte Produktionsplanung: Die Geflügelindustrie reagiert stark auf Angebots- und Nachfrageschwankungen. Genaue Prognosen ermöglichen eine bessere Planung von Produktionsabläufen, Brütereien und Verarbeitungszeiträumen – damit werden Marktanforderungen erfüllt, ohne Überproduktion oder Unterproduktion.
  • Futterkosten-Management: Tierfutter ist der größte Kostenfaktor in der Geflügelproduktion und macht typischerweise 60–70 % der gesamten Produktionskosten aus. Genaue Prognosen der künftigen Nachfrage ermöglichen den Einkauf in optimaler Menge und zu günstigen Preisen.
  • Bestandsmanagement: Durch die Abstimmung der Produktion mit den Bedarfsprognosen können Unternehmen die Kosten für Überbestand oder Engpässe minimieren.
  • Supply-Chain-Effizienz: Die Geflügel-Supply-Chain ist komplex und umfasst Züchter, Brütereien, Futtermittellieferanten, Verarbeiter und Einzelhändler. Genaue Prognosen tragen dazu bei, all diese Akteure effizienter zu koordinieren, Lead Times zu verkürzen, Transportkosten zu senken und Engpässe zu vermeiden.
  • Umweltverträglichkeit: Genaue Prognosen können zu nachhaltigeren Praktiken beitragen, indem sie Überproduktion reduzieren – was wiederum Verschwendung, Energieverbrauch und den ökologischen Fußabdruck der Branche verringert.

Höhere Prognosegenauigkeit bedeutet, dass Produktion, Tierversorgung und die gesamte Supply Chain auf die Nachfrage ausgerichtet werden. Das löst die oft gegenläufigen Interessen verschiedener Abteilungen auf. Alle haben Einblick in die eingehenden Tierzahlen und können gemeinsam einen optimalen Plan entwickeln. Das schafft auch Verantwortlichkeit: Vertrieb und Einkauf können nicht mehr im Alleingang handeln oder ihre eigenen Interessen auf Kosten der Gesamtprofitabilität schützen.

Aus Sicht von Mitarbeiterzufriedenheit und Zusammenarbeit reduziert der Weg zu mehr Genauigkeit und Verantwortlichkeit Reibung und Chaos. Anstatt verschiedene Versionen von Tabellenkalkulationen zusammenzuführen, steht allen Abteilungen eine gemeinsame, konsistente Informationsquelle zur Verfügung.

6. Transparenz herstellen 

Jenseits der Optimierung des Überschussmanagements und der Angebots-Nachfrage-Balance ermöglicht verbesserte Transparenz auch eine stärkere Fokussierung auf Ausnahmen statt auf das bloße Sammeln von Informationen. Die Anforderungen der einzelnen Produzenten sind je nach Kundenbasis, Regionen und Nachfragemustern einzigartig.

Transparenz ist ein etwas generischer Begriff; im vorliegenden Kontext ergibt sie sich ausschließlich aus Digitalisierung und Automatisierung. Sie umfasst die Fähigkeit, Kundendienst, Zutatenmanagement, Kapazitätsmanagement, Personal, Lagerung und Lagerlogistik, 3PL-Nutzung, Haltbarkeitstermine und alle weiteren Aspekte zu überblicken, die in einen optimierten Supply-Chain-Planungsprozess einfließen. Ohne Transparenz ist keine Planung möglich – und allein mit menschlichem Blick sieht man nur einen Bruchteil dessen, was sichtbar sein müsste.

Derzeit stützen die meisten Unternehmen ihre Supply Chains auf eine Reihe verschiedener, isolierter Tabellenkalkulationen. Echte Transparenz hingegen ermöglicht einen vollständigen Überblick über alle Aspekte der Supply Chain über den gesamten Planungshorizont. Für die Geflügelindustrie entspricht dies rund 13 Wochen.

Diese Parameter umfassen Produktionskapazitäten und den Bedarf an zusätzlichen Ressourcen, Lagerbestände und Ablaufprobleme sowie Verteilungsanforderungen. Auch die Versorgung mit Tieren und Zutaten für verschiedene Rezepturen muss über diesen Zeitraum hinweg sichtbar sein.

Ohne eine Lösung, die durchgängige Transparenz über die genannten Faktoren bietet, ist das Ergebnis ein stark reaktiver Prozess, geprägt von Planugsfhelern, die sich früher oder später in echten Verlusten niedergschlagen: zu viel Lagerbestand, ein Wettlauf gegen die Zeit bei der Vermarktung von Überschussprodukten zu niedrigeren Preisen und ein Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage.

7. Führung stärken

Wenn Unternehmen auf mehrere Tabellenkalkulationen angewiesen sind und verschiedene Abteilungen aufgrund manuell erstellter Dokumente in unterschiedliche Richtungen ziehen, wird auch die Führungsebene zunehmend handlungsunfähig.

Planer haben in der Regel eine Master-Tabellenkalkulation mit Formeln, die nur sie selbst verstehen – was die Einflussnahme des Managements einschränkt. Anstatt unterschiedliche, manuell eingegebene Datensätze zusammenzuführen und damit Verwirrung zu erzeugen, erlaubt systemgestützte Planung allen Abteilungen, mit einer einzigen Interpretation der Fakten zu arbeiten. Ohne subjektive Einschätzungen, ohne Partikularinteressen auf Kosten des Gesamtergebnisses.

Ohne subjektive Einschätzungen, ohne Partikularinteressen auf Kosten des Gesamtergebnisses.

Immer wieder zeigt sich: Menschliche Erfahrung, Voreingenommenheit und Bauchgefühl werden durch eine dedizierte, vereinheitlichte und automatisierte Systemauswertung schnell widerlegt. Es gab Situationen, in denen das Bauchgefühl eines Planers eine Entscheidung nahegelegt hat, die sich im Nachhinein – wenn alle relevanten Faktoren berücksichtigt werden – als kostspielig herausgestellt hätte.

Ein System mit einer klaren, faktenbasierten Analysebasis stärkt die Führung, hilft, abteilungsspezifische Bauchentscheidungen zu überwinden, und führt zu schnelleren Entscheidungen, weniger Diskussionsbedarf, präziseren und schnelleren Kundeninformationen sowie einem konsistenten Überblick über die Auswirkungen aktueller Pläne auf das Betriebsergebnis.

Gleichzeitig verbringen alle Mitarbeitenden weniger Zeit mit dem Zusammenführen und Prüfen ungenauer Informationen – und mehr Zeit mit konkreten Maßnahmen.

8. Bestandsmanagement verbessern

Das Bestandsmanagement in der Geflügelindustrie betrifft drei Bereiche:

  • Tiefkühlprodukte
  • Industrielle Weiterverarbeitung (thermisch verarbeitete Produkte)
  • Zutaten

Ein wesentlicher Aspekt ist die richtige Festlegung des Sicherheitsbestands. Traditionell wird dieser als Anzahl von Abdeckungstagen definiert – häufig auf der Basis begrenzter analytischer Erkenntnisse.

Durch mathematische Modellierung und Optimierung können Unternehmen den Sicherheitsbestand anhand von Variablen wie Nachfrageschwankung, Prognosegenauigkeit, Beschaffungs-Lead-Time und deren Varianz (bei Zutaten), Lagerhaltungskosten, Kosten bei entgangener Nachfrage und Mindestlosgrößen differenziert gestalten. Dies betrifft in erster Linie Zutaten.

Bei Tiefkühlprodukten und industriell weiterverarbeiteten Produkten können diese für den Ausgleich von Angebot und Nachfrage über einen längeren Zeitraum eingesetzt werden; daher empfiehlt es sich, einen Maximalbestand zu definieren. Dies kann auch zur Abstimmung von Linienkapazitäten genutzt werden.

Bestandsoptimierung umfasst auch die optimale Bestandsverteilung: Der richtige Bestand muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Durch die Reduzierung von Transportzeiten und die Optimierung von Paletten- und Transportladungen lassen sich Effizienzgewinne und Kosteneinsparungen erzielen.

Auch die Rolle von Drittlogistikern (3PL) fällt in diesen Bereich, da Produzenten ihre Lagerkapazitäten und Transportflotten ausweiten. Die Kosten für Annahme, Lagerung und Versand von Paletten müssen als erfassbare, quantifizierbare Größen in die Betriebskosten einfließen und für optimale Entscheidungen abgewogen werden.

Im weiteren Sinne umfasst das Bestandsmanagement auch den Umgang mit auslaufenden Artikeln: das Management von Ablaufdaten, um über Preisabschläge und Promotions den maximalen Wert aus jedem Produkt zu schöpfen – ohne voreilig zu reagieren und potenziell Mehrwert zu verschenken.

9. Szenarien simulieren 

Die Fähigkeit zur Szenariosimulation ist für eine effiziente Supply-Chain-Planung von großem Wert. Gemeint ist weniger das Nachbilden des Status quo, sondern die Untersuchung der Auswirkungen neuer Dimensionen im Prozess. Was-wäre-wenn-Szenarien sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Supply-Chain-Entscheidungsfindung.

Ein neues Produkt, ein neuer Markt, ein neues Lager, ein neuer 3PL-Anbieter, zusätzliche Produktionslinien, ein neuer Maststall – wenn man sich allein auf manuelles Einschätzungsvermögen verlässt, ist der Ehrgeiz, Gewinne in Investitionen umzuwandeln und schnell zu skalieren, nachvollziehbar. Doch die meisten kennen Beispiele, bei denen solche weitreichenden Entscheidungen schlecht ausgegangen sind.

Szenarioplanung stellt sicher, dass Neues in einem Maßstab eingeführt wird, der maximalen Mehrwert schafft. Dabei ist es wichtig, dass diese Szenarien über ein Dashboard klar aufbereitet werden, das Nutzer zu den richtigen Entscheidungen auf Basis der verfügbaren Informationen führt.

Die Simulation verschiedener Szenarien ermöglicht es Geflügelproduzenten, unterschiedliche Ergebnisse und Strategien zu testen. Das ist ein deutlich proaktiverer Ansatz, der Betriebsabläufe optimiert, Herausforderungen antizipiert und fundierte Geschäftsentscheidungen unterstützt.

10. Ein S&OP-Framework etablieren 

Die Vertriebs- und Operationsplanung (S&OP) ist aufgrund der Komplexität der Branche, der Verderblichkeit der Produkte und der Notwendigkeit, Angebot und schwankende Nachfrage zu balancieren, ein besonders kritischer Prozess in der Geflügelindustrie. Der S&OP-Prozess schafft ein einheitliches Verständnis über die gesamte Supply Chain hinweg, warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden, und bricht organisatorische Silos auf.

Für einen soliden S&OP-Prozess werden im Wesentlichen zwei Dinge benötigt:

  • Ein System, das alle (oder zumindest die meisten) Antworten auf die Fragen liefert, die der S&OP-Prozess benötigt – genau und automatisch.
  • Ein klar definierter Prozess.

Die wichtigsten Schritte zur Etablierung eines S&OP-Prozesses:

Schritt 1: Planungshorizont definieren

Jedes Unternehmen hat einen anderen Planungshorizont, der auf den eigenen spezifischen Herausforderungen und dem Kundenportfolio basiert. Zunächst gilt es, den eigenen zu definieren.

Schritt 2: S&OP- und S&OE-Prozess definieren

Der S&OE-Prozess (Vertriebs- und Operationsausführung) ergänzt den S&OP-Prozess auf operativer Ebene. Für jedes Review-Meeting muss eine Meetingkarte erstellt werden, die mehrere Aspekte abdeckt: Inhalt der Review-Meetings, Häufigkeit, Leitung und Teilnehmer, gewünschte Ergebnisse, erforderliche Inputs sowie den Governance-Prozess zur Sicherstellung der Einhaltung.

Schritt 3: Inputfragen definieren

Es gibt bestimmte Fragen, für die der S&OP-Prozess in jedem Meeting Antworten benötigt. Diese sollten im Voraus festgelegt und den verschiedenen Planungsstufen des Horizonts zugeordnet werden. Beispiele für zentrale Fragen: „Haben wir ausreichend Kapazität? Halten wir zu viel Lagerbestand? Welche Engpässe sind zu erwarten? Wie groß werden die Überschüsse voraussichtlich sein?“

Schritt 4: Governance-Prozess definieren

Der gewählte Prozess und die Zeitpläne müssen durch ein effektives Governance-Modell untermauert werden – ein Regelwerk mit Konsequenzen, das sicherstellt, dass alle den Prozess einhalten. Wichtig ist, dass ein übergreifender Prozess vorhanden ist, der Abweichungen vom definierten Ablauf identifiziert und korrigiert.

Ein effektives S&OP ergänzt alle anderen Maßnahmen zur Steigerung von Transparenz und Entscheidungsklarheit. Es ermöglicht faktenbasierte Führungsentscheidungen und unterstützt die Rolle der digitalisierten Szenarioplanung.

Mit Strategie gewinnen

Geflügelplanung ist einzigartig und komplex – doch sie folgt auch einer etablierten Systematik. Der Schlüssel ist Optimierung: jedes Tier auf die wirtschaftlichste und profitabelste Art zu nutzen. Das bedeutet Schlachtkörperbalancierung, Transparenz über die aktuelle Nachfrage im Verhältnis zum Angebot, Priorisierung unterschiedlicher Kundenanforderungen bei gleichzeitiger Minimierung von Überschüssen sowie die Simulation von Szenarien für optimale Geschäftsentscheidungen.

Diese Optimierung ist manuell oder mit Tabellenkalkulationen nicht erreichbar. Der einzige Weg, in der Geflügelplanung zu gewinnen, besteht darin, diese komplexen Prozesse in die Hände künstlicher Intelligenz zu legen: Heuristiken, mathematische Optimierung, Machine Learning und generative KI.

Beitrag von

Arijit Saha, Ph.D.

Unabhängiger Branchenexperte

Christer Liden

VP APAC, Consumer Packaged Goods & Manufacturing