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So optimieren Sie mit filialspezifischen Planogrammen Ihre Regalbestände

Dec 2, 2020 4 min

Filialspezifische Planogramme sind bereits vor 20 Jahren in Einzelhandelsgeschäften implementiert worden. Die Idee dahinter ist noch älter. Doch selbst heute erreicht kaum ein Einzelhändler eine vollständig filialspezifische Planogrammierung ohne eine Software, die die enorme Zahl von Berechnungen automatisiert, die eine Lokalisierung dieses Detailgrads erfordert.

In den letzten Jahren hat das Thema eine neue Wendung erhalten: Einzelhändler stellen sich nun die Frage, wie Flächenplanung in ihren allgemeinen Category-Management-Prozess integriert werden kann. Viele arbeiten daran, wie Planogramme so eingesetzt werden können, dass daraus Effizienzgewinne für die gesamte Supply-Chain erwachsen – vom Lieferanten bis ins Regal.

Warum haben selbst die größten Player im Handel keine effektiven Planogramme?

Wer im Einzelhandel arbeitet, weiß, wie anspruchsvoll Kunden von heute sind. Traditionelle Händler stehen unter dem Druck, in stationären Filialen genauso schnell und entgegenkommend auf Kundenbedürfnisse zu reagieren, wie diese es von ihren Onlineeinkäufen per Smartphone oder Tablet gewohnt sind. Doch angesichts der Tatsache, dass eine Million Berechnungen für nur einen Meter filialspezifische Planogrammierung erforderlich sind, ist klar, dass eine schnelle Reaktion auf Verbrauchersignale gar nicht so einfach ist.

Mit wachsender Komplexität geraten die versprochenen Vorteile des lokalisierten Ansatzes in immer weitere Ferne – bis Stakeholder letztendlich das Vertrauen in die Sache verlieren. Tausende von Einzelhändlern haben bereits Projekte zur filialspezifischen Planogrammierung gestartet, nur um dann den Umfang stark zu beschränken oder das Projekt gänzlich aufzugeben.

Ein grundsätzliches Problem filialspezifischer Planogrammlösungen wird durch ein Paradoxon verursacht: Entweder müssen Sie 1) Ihre Planogramme so vereinfachen, dass sie von einer generischen, sofort betriebsbereiten Lösung erstellt werden können oder 2) Sie benötigen ein hochspezialisiertes Expertenteam, das komplexe Programmierungen durchführen kann. Beide Lösungen sind jedoch alles andere als ideal.

Ein Planogramm ist ein raffiniertes Tool, das Händler in die Lage versetzt, selbst an der Regalkante mit ihren Kunden in Verbindung zu treten. Kundenbedürfnisse in jeder einzelnen Filiale werden am effektivsten durch Sortiment, Layout und Flächennutzung erfüllt. Planern, die durch kreative Visualisierung und Flächenplanung die Interaktion mit dem Kunden fördern können, fehlt häufig das technische Knowhow zur Automatisierung von Planogrammen. Diejenigen, die die komplexen Programmierungen zur Planogrammautomation durchführen können, verfügen wiederum oft nicht über das Feingespür, das es braucht, um Verbraucher zur Kaufentscheidung zu bewegen oder die kreative Vorstellungskraft, um ansprechende Regaldisplays zu erstellen.  

Zum Glück können Händler diese Problematik heute umgehen und moderne Planungstools einsetzen, die die vielen technischen Fortschritte, die wir in den letzten Jahren erlebten, vorteilhaft nutzen.

Ein integrierter Category-Management-Ansatz

Ein konventioneller Ansatz der filialspezifischen Planogrammierung ist die Anpassung der Facings auf Basis der Verkaufshistorie. Dadurch können einige Verbesserungen bei Verfügbarkeit und Absatz erreicht werden.

Ein integriertes Category-Management ist dagegen eine zukunftsgerichtete Herangehensweise: Hier beziehen Planogramme granulare, lokalisierte Absatzprognosedaten ein. Wird ein solch integrierter Ansatz mit modernen Machine-Learning-Algorithmen kombiniert, automatisieren Händler die sonst zeitaufwendige, komplexe Optimierung filialspezifischer Planogramme. So werden sie den Anforderungen der Shopper in jeder Filiale gerecht.

Dieser Ansatz führt unserer Erfahrung nach nicht nur zu verbesserten Resultaten bei Absatz und Verfügbarkeit, sondern erhöht auch die Effizienz, mit der Händler ihre Regale bevorraten, wiederauffüllen und in Stand halten. Integrierte Planungsansätze zielen darauf ab, ein Dispositionsmodell zu schaffen, das möglichst vollautomatisch funktioniert und nur wenige manuelle Eingriffe erfordert: Überbestände in den Filialen sollen minimiert und die Lieferfrequenz für Artikel reduziert werden. Ohne die technologischen Fortschritte der letzten Jahre könnten Händler von heute keine guten Ergebnisse erzielen.

Innovative Tools automatisieren und optimieren Planogramme

Seit viele Händler ihre Altsysteme installiert haben, sind einige Jahre vergangen und Tools zur Planogrammierung haben riesige Fortschritte gemacht. Auch das Anwendererlebnis hat sich seitdem bedeutend verbessert – insbesondere durch die Wiedergabe in 3D und dank intuitiver Benutzeroberflächen.

Für Geschäftsergebnisse noch ausschlaggebender sind jedoch neueste Entwicklungen im Bereich der KI. Machine-Learning ermöglicht Händlern, eine automatische, absatzbasierte und filialspezifische Optimierung nach Maß. Dadurch sparen Planungsteams enorm viel Zeit, die dann für wertschöpfende Aufgaben zur Verfügung steht – gleichzeitig werden die Genauigkeit und Qualität des finalen Planogramms verbessert.

Cloud-native Technologie ermöglicht heute zudem, die automatisierten und optimierten Planogramme direkt in effizienteres Filial- und Supply-Chain-Management zu übersetzen: Sie hilft bei der Disposition, da sie ein umfassendes Flächenbewusstsein besitzt, das sowohl Verkaufsflächen als auch die Fläche hinter den Kulissen miteinschließt. Lösungen, die es den Mitarbeitern erlauben, filialspezifische Informationen von ihren mobilen Endgeräten aus an die zentralen Planungsteams zu leiten, ermöglichen Händlern ein nahtloses „end-to-end“ Category-Management.

Wie ist das zu erreichen?

Einzelhändler, die optimierte, filialspezifische Planogramme implementieren, müssen zuerst ihre bestehenden Planogramme in die neue Lösung importieren – entweder aus ihrem Altsystem oder aus eigenen Handelsdaten. Ihre Planungssoftware sollte in der Lage sein, diese Planogramme anhand der individuellen Filialbedarfe zu optimieren und Bestände und Flächen so anzupassen, dass die spezifischen Ziele des Unternehmens umgesetzt werden. Die Lösung sollte Absatzdaten auf Filialebene einbeziehen, um die Anzahl der Facings für überplatzierte Produkte zu verringern und die Facings für unterplatzierte Produkte zu erhöhen. Die Produktplatzierungen werden basierend auf den vom Händler vorgegebenen Layoutanforderungen angepasst, sind aber dennoch vollständig durch das Planungsteam konfigurierbar. 

Eine qualitativ hochwertige Lösung muss innerhalb eines Morgens filialspezifische Planogramme erstellen, die die Prinzipien der unternehmensweiten Merchandisingvorgaben einhalten und gleichzeitig an die individuellen Bedarfe jeder einzelnen Filiale angepasst sind. Darüber hinaus müssen kleinere Überarbeitungen am Planogramm im Handumdrehen möglich sein, während die Änderungen am optimierten Planogramm minimal sein sollten – damit soll verhindert werden, dass die Mitarbeiter im Filialbetrieb mit jedem Planogrammupdate ihre Layouts verändern müssen.

Wie groß ist die Wirkung also unterm Strich? Unserer Erfahrung zufolge ändern sich rund 30 Prozent der planogrammierten Produktpositionen unserer Kunden, wenn sie ihre Planungsgrundlage von allgemeinen Daten auf filialspezifische Daten umstellen. Unsere Kunden reduzieren Lieferpositionen (Produktlieferungen in die Filiale) um bis zu 35 Prozent und Überbestände um bis zu 25 Prozent – gleichzeitig werden die gleichen Verbesserungen von Verfügbarkeit und Abverkäufen wie mit konventioneller filialspezifischer Planogrammierung erzielt. Für uns sprechen diese Ergebnisse eine klare Sprache: Ein integrierter, Machine-Learning-gesteuerter Ansatz bei der Erstellung filialspezifischer Planogramme ist die beste Art, Resultate entlang der gesamten Supply-Chain zu verbessern.

Beitrag von

Sam Welton

Product Strategy and Management Lead

Lauri Loikkanen

Business Area Director