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Dark Stores profitabel gestalten: So kommt Licht ins Dunkel

Nov 9, 2021 4 min

Der Onlinehandel wächst seit Jahren. Doch die Coronapandemie mit temporären Filialschließungen und Quarantänevorschriften hat seiner Beliebtheit noch einen kräftigen Booster verabreicht. Traditionelle Einzelhändler, die zu Beginn der Pandemie schnell reagieren mussten und Onlineshops aus dem Boden stampften, stehen nun vor einer neuen Herausforderung: Ihre Hals über Kopf entwickelten Prozesse sind ineffizient. Viele verschenken damit bei jedem Verkauf einen Teil ihres Gewinns. Die Frage lautet also: Wie gestalten Sie Ihre neuen Onlinekanäle so, dass sie wirklich profitabel sind?

Was die Situation nicht vereinfacht, ist das plötzliche Erscheinen eines neuen Mitspielers auf der Bildfläche, der zurzeit die Welt des Convenience- und Lebensmitteleinzelhandels auf den Kopf stellt: „Quick Commerce.“ Quick-Commerce-Einzelhändler wie Delivery Hero oder JOKR sagen dem traditionellen Handel den Kampf an, indem sie schnelle Lieferung nach Hause versprechen – mit einem Lieferversprechen von teils nur zehn Minuten.

Da der Verbraucher immer mehr Komfort erwartet, müssen alle Einzelhändler aktiv werden – egal ob sie im Omnichannel, Onlinehandel oder Quick Commerce tätig sind. Die Möglichkeit, ihr Online-Fulfillment in dicht besiedelten Gebieten mit Hilfe eines Dark-Store-Netzwerks zu verbessern, nutzen bisher nur wenige Händler. Um dem Komfortanspruch der Kunden Genüge zu tun und dabei gleichzeitig profitabel zu wirtschaften, ist vor allem eines unabdingbar: maximale Supply-Chain-Effizienz.

KI-basierte Prognosen und Disposition für hohe Verfügbarkeit im Dark Store

Während Einzelhändler sich mit neuen Erwartungen konfrontiert sehen, kämpfen sie weiterhin mit alten Schwierigkeiten: etwa mit Neueinführungen von Produkten oder gemischten Sortimenten aus Schnell- und Langsamdrehern. Hilfe verspricht KI-basierte Technologie.

KI ist zur Voraussetzung für Automation und die Erhöhung der Prognosegenauigkeit geworden. Sie verbessert die Verfügbarkeit in Dark Stores und spart Stunden manueller Planung ein.

Eine Lösung, die auf Machine-Learning-Algorithmen basiert, kann Einzelhändlern dabei helfen, die Komplexität von Nachfrageschwankungen zu modellieren: egal, ob diese aufgrund von geplanten Kampagnen, unterschiedlichen Wochentagen oder Saisons, oder lokalen absatzbeeinflussenden Faktoren wie Veranstaltungen und Wettervorhersagen bestehen. Noch wichtiger: Die Lösung berechnet dies automatisch und verarbeitet dabei mehr Handelsdaten, als es ein Team menschlicher Planer je könnte. Im heutigen Wettbewerb ist KI zu einer grundlegenden Voraussetzung für Automation und für die Erhöhung der Prognosegenauigkeit geworden. So verbessert sie die Verfügbarkeit in Dark Stores und spart Woche für Woche Stunden mühsamer, manueller Planung ein.

Eine moderne Dispositionssoftware verwendet die so errechnete Prognose, um das Risiko von Out-of-Stocks gegenüber dem Verderbsrisiko auszutarieren. Das System bezieht dafür bei jeder Bestellung die Bestands- und Absatzmengen mit ein – eine entscheidende Fähigkeit, wenn es um Frischeprodukte geht. Hohe Verfügbarkeit ist für jeden Einzelhändler von zentraler Bedeutung. Im Onlinehandel nimmt sie jedoch einen besonderen Stellenwert ein: Hier stellen Ersatzprodukte häufig eine große Herausforderung dar.

Flächenoptimierung führt zu effizientem Kommissionieren im Dark Store

Auch wenn kein Kunde je einen Dark Store von innen sieht, ist eine gute Flächenplanung entscheidend, um das Wertversprechen der extrem schnellen Lieferung zu erfüllen. Da in kleinformatigen Dark Stores Platz Mangelware ist, muss die Bestands- und Flächenplanung nahtlos ineinandergreifen: Nur so lassen sich höchstmögliche Verfügbarkeit und größtmögliche Geschwindigkeit erreichen. Unerlässlich ist dies vor allem für Quick-Commerce-Händler, deren Ziel es ist, Bestellungen innerhalb von Minuten nach dem Kaufklick des Kunden zu kommissionieren.

Welche Strategie beim Kommissionieren verfolgt und wie der Dark Store dementsprechend planogrammiert wird, unterscheidet sich je nach Einzelhändler erheblich. Manche Händler platzieren Artikel einer Kategorie konzentriert in einem klassischen, an Filialen orientierten Planogramm, das den Kommissionierern vertraut ist. Andere verzichten auf solche Planogramme und trennen stattdessen ähnliche Artikel räumlich voneinander, um das Risiko zu minimieren, dass beim Zusammenstellen der Bestellung unter Zeitdruck zum falschen Produkt gegriffen wird.

Unabhängig von der Art der Planogrammierung empfiehlt es sich, im vorderen Teil des Stores einen Bereich für die am häufigsten benötigten Artikel zu reservieren, um das Kommissionieren der am stärksten nachgefragten Produkte zu beschleunigen. Welche Artikel die meistverlangten sind, kann sich im Laufe des Jahres ändern, je nach saisonalen Trends oder wichtigen Feiertagen wie Weihnachten oder Ostern.

Eine moderne Planungssoftware ist in der Lage, die Regal- und Bestandsoptimierung auf Dark Stores zuzuschneiden und anhand von lokalen Absatzprognosen zu automatisieren. Ein integriertes System, das Absatzdaten in die Planogrammerstellung einfließen lässt, optimiert nicht nur die Regalfläche pro Produkt und garantiert so einen gut funktionierenden Wareneingang. Es stellt auch eine optimale, lokalisierte Produktplatzierung sicher, was wiederum dafür sorgt, dass stark nachgefragte Artikel in jedem Store leicht und schnell zu kommissionieren sind.

Wird die Zuteilung der Regalfläche zudem optimal auf die lokalisierten Dispositionspläne für jedes Produkt angepasst, ermöglicht das die Disposition direkt ins Regal. Haben die Dispositionspläne dann noch Einsicht in die lokale Flächenplanung, können Einzelhändler Regalbereiche mit haltbaren Artikeln mit selteneren Anlieferungen auffüllen. Das Ergebnis sind niedrigere Handlingkosten und ein geringeres Risiko von Out-of-Stocks aufgrund von noch nicht aufgefüllten Regalen.

Egal ob Quick-Commerce, Online- oder Omnichannel-Handel: Wer heute im LEH- und Convenience-Bereich tätig ist und für seine Kunden auch beim Onlineeinkauf die erste Wahl sein möchte, benötigt eine erstklassige Lösung für die Handelsplanung. Es ist bekannt, dass eine präzise Absatzprognose mit hohem Detailgrad die Grundlage hoher Produktverfügbarkeit bildet. Doch die vorhandenen Daten müssen sowohl in die Disposition als auch in die Flächenplanung einfließen, um derart schnelle Lieferungen zu garantieren, dass aus zufriedenen Kunden Stammkunden werden.

Beitrag von

Jukka Uskonen

Director, Operations and Alliances APAC