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Verderbsreduktion verlangt nach neuen Supply-Chain-Lösungen

Nov 7, 2019 3 min

Was einmal das kleine, schmutzige Geheimnis der Lebensmittelindustrie war, steht jetzt im Rampenlicht der Öffentlichkeit und wird durch Konsumenten kritisch geprüft: Lebensmittelverschwendung im LEH. Die Nachfrage nach Fairtrade- und Bio-Produkten wirkt sich für Lebensmitteleinzelhändler auf die Treue der Kunden aus, aber die finanziellen Folgen von Verderb können ebenso schwindelerregend sein: In einer 2018 von RELEX erhobenen Studie berichteten Lebensmitteleinzelhändler von einem durchschnittlichen jährlichen Verlust von 70 Millionen Dollar aufgrund von Lebensmittelabfall – größere Unternehmen verzeichnen sogar einige Hundert Millionen Dollar Verlust.

Das Risiko: Wo durch eine nicht integrierte Supply-Chain Verluste entstehen

Die gleiche Studie stellte fest, dass die Wurzel des Problems oft in schlechter Supply-Chain-Planung liegt. Die Mehrzahl der in der Studie befragten Lebensmitteleinzelhändler verfügt über Supply-Chain-Praktiken, die nicht den Best Practices entsprechen. 16 Prozent der großen US-Lebensmittelhändler mit einem Jahresumsatz von über zehn Milliarden Dollar generieren Lagerprognosen auf Basis vergangener ausgehender Lieferungen, während 70 Prozent diese auf Basis von Absatzprognosen der Filialen erstellen.

Obwohl letzteres ein Schritt in die richtige Richtung ist, liefert keine der beiden Methoden Ergebnisse in der Verderbsreduktion, die in einer hyperkompetitiven Industrie mit niedrigen Margen erfolgsversprechend sind. Sich auf historische Ausgangsdaten zu verlassen, unterscheidet sich im Wesentlichen nicht davon, zu versuchen, ein Auto nur durch Blick in den Rückspiegel zu steuern – auch wenn sie wertvoll sind, werden diese Daten niemals zu einer proaktiven Strategie beitragen.

Lagerprognosen auf Basis von Filialabsatzprognosen zu erstellen, verursacht wiederum problematische Spitzen im ausgehenden Bestand, da Transaktionsdaten allein kein ganzheitliches Bild der Bestandsbedarfe liefern. Diese Anforderungen werden täglich durch externe Faktoren wie wetterbedingte Nachfrageschwankungen oder Kampagnen lokal beeinflusst.

Die Chance: Supply-Chain integrieren, Verderb reduzieren, Umsätze steigern

Sowohl die RELEX-Studie als auch die Erfahrungen der Einzelhändler im echten Leben zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen der Nutzung integrierter Prognose- und Dispositionstechnologie und niedrigeren Verderbsraten auf. So reduzieren RELEX-Kunden beispielsweise die Verschwendung von Lebensmitteln um 20 bis 40 Prozent, addieren 25 Prozent zu ihrem üblichen Lebensmittelprofit sowie rund zwei Prozent zu ihren Umsätzen.

RELEX-Kunden reduzieren die Verschwendung von Lebensmitteln um 20 bis 40 Prozent und addieren 25 Prozent zu ihrem üblichen Lebensmittelprofit sowie rund zwei Prozent zu ihren Umsätzen.

Derzeitige Best Practice ist das Erstellen von Lagerprognosen auf Basis von Filialprojektionen, nicht Filialprognosen. Eine Filialprojektion nimmt die Verkaufsprognose als Ausgangspunkt. Darauf aufbauend kreiert sie einen ganzheitlichen Blick auf den Bestandsbedarf, der Daten auf Filialebene über verschiedene Faktoren wie minimale Displaymengen oder minimale Sicherheitsbestände berücksichtigt.

Filialprojektionen sind am genauesten, wenn Händler Machine-Learning-Technologien einsetzen, um externe Faktoren einzubeziehen. Lager nutzen Machine-Learning-Daten, um sich auf eine sonst nicht vorhersagbare Schwankung der Nachfrage einzustellen. Das kann zum Beispiel ein Anstieg der Nachfrage nach Eiscreme bei außergewöhnlich heißem Wetter außerhalb der Saison oder ein Rückgang im Absatz einer Pastamarke aufgrund der Kampagne einer anderen sein.

Lebensmitteleinzelhändler, deren Disposition nicht auf automatisch generierten Absatzprognosen beruht, gehen laut der RELEX-Studie ein fünfmal höheres Risiko von überdurchschnittlichen Verderbsraten ein. Durch das Anwenden ganzheitlicher Daten auf Lagerprojektionen erreichen Händler permanent genauere Allokationen, die die pull-basierte Nachfrage und push-basierte Bestandsbewegungen reflektieren.

Händler, die eine Software zur integrierten Prognostizierung und Disposition implementieren, erleben eine Verderbsreduktion von bis zu 40 Prozent und eine Senkung des Bestands um 30 Prozent. Andere Richtwerte sind beispielsweise die Minimierung von Out-of-Stocks um 85 Prozent, eine Verfügbarkeit von über 99 Prozent und 50 Prozent Zeitersparnis bei der Bestellung. Jede Herausforderung beinhaltet neue Möglichkeiten. Alle Lebensmitteleinzelhändler mit dem Ziel, die Verschwendung von Lebensmitteln zu senken, sollten sich ernsthaft mit den Vorteilen einer integrierten Supply-Chain auseinandersetzen.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in Refrigerated and Frozen Foods.

Autor

Greg Wilson

Greg Wilson

VP Sales and Field Strategy