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Wie Sie das Managen von haltbaren Produkten und Frischwaren angleichen

Jul 1, 2020 3 min

In der heutigen kompetitiven Umgebung im Lebensmitteleinzelhandel müssen Supermärkte und Discounter ihre Strategien anpassen, um eine breitere Kundenbasis und preisbewusste Konsumenten anzusprechen.

Traditionell sind Discounter Meister der Effizienz in Sachen haltbare Produkte. Da sie aber immer mehr Frischwaren in ihre Sortimente aufnehmen, müssen sie ihre Supply-Chains auf erhöhte Schnelligkeit ausrichten. Supermärkte hingegen sind optimal auf das Managen von Frischeprodukten ausgestattet: Ihre Lieferketten sind agil und reaktionsfähig. Ihnen fehlt aber oft die Effizienz im Umgang mit haltbaren Waren. Wie wir bereits früher festgestellt haben, müssen Lebensmitteleinzelhändler, egal ob Supermarkt oder Discounter, aber beide Produktkategorien perfekt beherrschen, um erfolgreich zu sein.

  • Frischwaren benötigen eine reaktionsstarke Lebensmittel-Lieferkette. Sie müssen bedarfsorientiert („just in time“) geliefert werden; eng verknüpft mit der Nachfrage, damit optimale Frische und minimaler Verderb gewährleistet sind.
  • Haltbare Produkte sollten auf operative Effizienz ausgerichtet werden. Wie der Name schon sagt, ist das Managen von haltbaren Produkten nicht zeitkritisch und das Risiko für Verderb gering. Einzelhändler sollten sich deshalb hier auf hohe Kapazitätsauslastung und minimale Bearbeitungskosten entlang der gesamten Supply-Chain konzentrieren – auch innerhalb der Filialen.

Bedarfsorientierte Lieferungen von Frischwaren setzen granulare Prognosen voraus, die von Wochentagsschwankungen bis hin zu Wettervorhersagen alles mit einbeziehen. Zusätzlich müssen die Sicherheitsbestände von Frischeprodukten dynamisch optimiert werden, um das Risiko zwischen Verderb und entgangenen Verkäufen fortlaufend auszubalancieren. Weiterhin muss Personal für eine schnelle Wiederauffüllung zur Verfügung stehen – besonders im Fall von Ultrafrischeprodukten, die mehrfach täglich aufgestockt werden müssen.

Die gleiche bedarfsorientierte Disposition auch auf haltbare Produkte anzuwenden, lässt operative Kosten jedoch schnell in die Höhe steigen. Um kosteneffizient zu arbeiten, müssen Einzelhändler die notwendigen Berührungspunkte bis zum Einsortieren in die Filialregale reduzieren. Um dies zu erreichen, empfiehlt es sich, bei jeder Lieferung haltbarer Artikel die Regale komplett zu befüllen (flächenbewusste Disposition) – die Regalfläche also voll auszunutzen, statt nur die Menge, die bis zur nächsten Lieferung benötigt wird, bereitzustellen.

Zusätzlich können Händler mit optimierten filialspezifischen Planogrammen, die bewirken, dass der tägliche Bedarf mit den Lieferplänen übereinstimmt, sicherstellen, dass mehr Ware direkt in die Regale passt. Die Disposition direkt ins Regal reduziert das benötigte Personal, um Artikel zwischen Filiallager und Verkaufsfläche hin und her zu räumen.

Kosten können weiterhin durch dynamisch optimierte Losgrößen (Karton vs. Palette) gesenkt werden, die sich nach saisonalem Bedarf und der verfügbaren Filialfläche richten. Wenn Waren in großen Mengen direkt in die Regale geliefert werden, sparen Händler sowohl bei der Disposition in Verteilzentren als auch in Filialen Kosten.

Moderne Prognose- und Dispositionssoftware ermöglicht Einzelhändlern ein agiles Supply-Chain-Management von Frischwaren und zugleich ein schlankes Supply-Chain-Management von haltbaren Produkten. Die besten Systeme gehen sogar weiter und optimieren den Warenfluss für höchste Produktivität gemeinsam.

Ein gutes Beispiel hierfür ist die Anwendung von Hauptanliefertagen: Hier werden haltbare Produkte, die im gleichen Bereich der Filiale stehen, wie Waschmittel und andere Wäschepflegeprodukte, an spezifischen Wochentagen geliefert. Das verbessert die Effizienz der Disposition, da es die Bewegung des Personals durch die Filiale senkt. Insgesamt konnten wir durch die Einführung von Hauptanliefertagen 20 Prozent Zeiteinsparung bei der Regalbestückung verzeichnen.

Hauptanliefertage können zudem auch für die Lieferanforderungen des Frischesortiments optimiert werden, das oft erst gegen Ende der Woche mit den Wochenendeinkäufen seine Spitze erreicht. Dadurch entsteht ein ausgeglichenerer Gesamtwarenfluss entlang der Supply-Chain, was zu besserer Kapazitätsnutzung und einfacherer Dienstplanung führt. Der finnische Einzelhandelsgigant S Group nutzt beispielsweise RELEX‘ KI-gestützte Optimierungsalgorithmen, um den Warenfluss über die Woche zu glätten. Das führt auch zu gleichmäßigerem Workload in den Filialen.

Durch Nutzen der neuesten Prognose- und Dispositionstechnologie erreichen Einzelhändler die Reaktionsschnelligkeit, die das Angebot von Frischwaren in hoher Qualität erfordert und gestalten die Planung der haltbaren Produkte zugleich kosteneffizient. Das Ergebnis? Weniger Verderb, höhere Verfügbarkeit, reduzierte Betriebskosten, ein reibungsloser und besser vorhersagbarer Warenfluss und glückliche Kunden.

Autor

Eero Äijälä

Head of Central Solution Consulting