Die Herausforderung: Wachstum ohne Struktur
Prisma Peremarket ist ein im estnischen Einzelhandel tätiges Unternehmen und eine Tochtergesellschaft der S-Group, dem größten Lebensmittelhändler Finnlands. Das Unternehmen betreibt Hypermärkte mit Lebensmitteln und Non-Food-Sortimenten sowie eine umfangreiche Online-Lebensmittelplattform. Bei diesem Retail-Format wirken sich Ineffizienzen aufgrund Tausender Produkt-Standort-Kombinationen besonders stark aus und können Verfügbarkeit und Effizienz beeinträchtigen sowie zu Lebensmittelverschwendung führen.
Prisma Peremarket identifizierte drei Hauptbereiche, in denen operative Reibungspunkte die Fähigkeit einschränkten, eine konsistente Kundenerfahrung zu gewährleisten:
- Dezentrale Disposition
- Frischemanagement
- Flächenplanung
Die Dispositionsverantwortung war auf Filialen, Einkauf und weitere Abteilungen verteilt, was zu Inkonsistenz und erheblichem manuellem Aufwand führte. Bestellpositionen wurden in großen Mengen manuell erstellt. Ständige Eingriffe banden Mitarbeiterkapazitäten und erzeugten mehr Bestellaktivität als notwendig.
In den Frischekategorien traten erhebliche Nachfrageschwankungen zwischen Werktagen und Wochenenden auf. Die statischen, verlaufsbasierten Bestellparameter konnten dafür nicht schnell genug angepasst werden. An verkaufsstarken Wochenenden – bei Frischfleisch, Fisch und fertigen Gerichten mit Haltbarkeiten von teilweise nur fünf Tagen – waren die Regale sonntags abends und montags morgens oft leer. Überbestellungen zu Wochenbeginn, wenn der Kundenandrang geringer war, erhöhten nur das Risiko von Lebensmittelverschwendung.
Zentralisierung, Automatisierung und Frischeoptimierung
Prisma Peremarket startete seine RELEX-Journey 2019 mit der Implementierung von Prognose- und Dispositionslösungen inklusive Frischeoptimierung und erweiterte nach dem Aufbau dieser Grundlage das System um Kapazitätsoptimierung. Die Bestellverantwortung wurde in einem dedizierten Dispositionsteam zentralisiert, das die frühere Abteilungsstruktur in ein einziges Team umwandelte, das für die Disposition aller Kategorien verantwortlich ist. Ziel war es, Prozesse zu standardisieren, Automatisierungsgrade zu erhöhen und die Performance anhand klarer KPIs zu messen.
Prisma Peremarket führte eine vereinfachte, risikobasierte Logik für die Verwaltung seines vielfältigen Produktportfolios ein. Anstatt eine einheitliche Dispositionsmethodik für bis zu 80.000 SKUs anzuwenden, wurde das Sortiment nach Verderbsrisiko aufgeteilt. Produkte mit einer Haltbarkeit von 21 Tagen oder weniger werden mit adaptiven Frische-Bestellparametern gesteuert, die Prognosen täglich neu berechnen und eingehende Warenmengen gegen Verschwendungsrisiken abwägen. So treffen Produkte möglichst nah am Kaufzeitpunkt ein, wobei die Regalfläche bei der Bestellmengenbegrenzung eine untergeordnete Rolle spielt.
Durch Konsolidierung und Automatisierung wurden die Gesamtbestellpositionen um mehr als 20 % und die Bestellfrequenz um 7 % reduziert. Die Dispositionsautomatisierung – gemessen an RELEX-Bestellpositionen, die ohne Änderungen gesendet werden – erreichte im Dezember 2025 einen Wert von 88 %, ausgehend von einer deutlich niedrigeren Ausgangsbasis von 55 % im Juli 2022. In den 10.000 m² großen Hypermärkten von Prisma Peremarket müssen Mitarbeitende Produkte für jede Lieferposition manuell vom Lager in die Regale transportieren. Verbesserungen bei den Bestellpositionen haben in den vergangenen vier Jahren direkt zu Effizienzgewinnen und Arbeitskosteneinsparungen geführt.
In den Frischekategorien war die Wirkung der adaptiven Bestellparameter erheblich. Für Frischfleisch, Fisch und Fertiggerichte erreichte die Regalverfügbarkeit bis Dezember 2025 einen Wert von 95,4 %, verbunden mit einer Reduzierung der Lebensmittelverschwendung. Gleichzeitig erweiterte Prisma Peremarket das Frischesortiment in diesen Kategorien um rund 10 %, indem neue SKUs hinzugefügt wurden, ohne die Komplexität zu erhöhen oder Effizienzgewinne zu opfern.
Planogramme als Planungsgrundlage
Prisma Peremarket verfolgte einen schrittweisen Ansatz und erweiterte seine Lösung um Flächenplanung und flächenbewusste Disposition. Bisher wurde die Flächenzuteilung durch ein veraltetes Standalone-System auf Basis von gruppenweiten Verkaufsdurchschnittswerten gesteuert, dem die filialspezifische Nachfragetransparenz fehlte. Dies verhinderte eine Optimierung der Bestellmengen auf Basis der tatsächlichen Regalkapazität.
Prisma Peremarket wechselte zu filialspezifischen Planogrammen und erstellt nun individuelle Planogramme für jede Filiale statt Cluster-Durchschnitte anzuwenden. Darüber hinaus werden aktiv sowohl cluster-abgeleitete als auch blockbasierte filialspezifische Ansätze evaluiert, um die jeweils geeignetste Methode für jede Kategorie zu ermitteln.
Bei Trockenwaren und Kategorien mit längerer Haltbarkeit bündelt das Lieferfluss-Glättungsverfahren eingehende Warenmengen auf umsatzschwächere Tage und reduziert so die Anzahl einzelner Lieferereignisse. Die flächenbewusste Disposition nutzt filialspezifische Planogrammdaten, um die verfügbare Regalkapazität für jedes Produkt an jedem Standort zu ermitteln, und setzt diese Informationen zur Festlegung maximaler Bestellparameter ein – orientiert an einem definierten Lagerumschlagschwellenwert statt an einem fixen Bestellzyklus.
Durch die Verknüpfung von Fläche und Supply Chain hat Prisma Peremarket durch reduzierte Bestellfrequenzen für Trockenwaren zusätzliche Vorteile erzielt. Bei Essig und Öl sanken die Lieferpositionen um 8 %, in der Tex-Mex-Kategorie um 17 %. Diese Ergebnisse wurden in den ersten Monaten nach dem Roll-out im September 2025 erzielt und bilden eine solide Grundlage für die Ausweitung der flächenbewussten Disposition auf weitere Kategorien im Jahr 2026.
„Die grundlegendere strukturelle Veränderung bestand darin, Fläche als treibende Kraft der Disposition zu etablieren”, sagte Juri Ljaskin, VP – Supply-Chain-Management, Filialprozessentwicklung, Nachhaltigkeit, Prisma Peremarket. „Sobald die Regalkapazität – basierend auf präzisen, filialspezifischen Planogrammdaten – den maximalen Bestellparameter bestimmt, kann das System die Lieferfrequenz reduzieren, ohne die Verfügbarkeit zu beeinträchtigen. Auf dieser soliden Grundlage werden wir mit der Sortimentsplanung aufbauen und alle Ebenen der Supply-Chain-Entscheidungsfindung in einem einzigen, kontinuierlich lernenden System zusammenführen.”
Prisma Peremarket plant den Go-Live mit RELEX-Sortimentsplanung im Frühjahr 2026. Das Unternehmen setzt zudem die Ausweitung adaptiver Bestellparameter auf weitere Frische-Subkategorien fort, verfeinert den Roll-out der flächenbewussten Disposition und untersucht weitere Möglichkeiten zur Optimierung der Automatisierung von Planogrammen. Prisma Peremarket hat Disposition, Fläche und Filialausführung erfolgreich in einem System vereint, das die gesamte Komplexität des großflächigen Lebensmitteleinzelhandels bewältigt – wobei jeder Schritt auf dem vorherigen aufbaut und Ergebnisse liefert, die weitere Investitionen rechtfertigen.